Bauern unter Druck

28. Juli 2006, 20:43
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Betriebe sperren zu – Preisschere weit offen

Wien – Rund die Hälfte des Wiener Stadtgebietes sind Grünraum – so der Stolz der Kommune. Auch dass sich die Bundeshauptstadt während der Gemüsesaison im Prinzip selbst versorgen kann, wird gern betont. Gleichzeitig befindet sich die Wiener Landwirtschaft aber seit Jahrzehnten in einem Schrumpf- und Umstrukturierungsprozess.

Gab es Ende der 50er-Jahre noch rund 2600 Landwirtschaftsbetriebe auf Wiener Stadtgebiet die rund ein Viertel der Gesamtfläche Wiens bewirtschafteten, so mussten über lange Zeit rund 40 Betriebe pro Jahr zusperren. Dieser Trend wurde zumindest gebremst: Laut dem Landwirtschaftsbericht 2005 der Wiener Landwirtschaftskammer sind es nun rund 30 Betriebe pro Jahr, die verschwinden – am stärksten betroffen sind kleine Garten- und Weinbaubetriebe. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche ist 1997 bis 2001 um fast 300 Hektar geschrumpft – derzeit werden fast 660 Hektar, rund 16 Prozent des Stadtgebietes, bewirtschaftet. Meist wurden die Flächen von Bau- und Verkehrsflächen „gefressen“, aber auch der Anteil an Wald und Wiesen hat zugenommen.

Die Endproduktion der Wiener Landwirtschaftsbetriebe hat aber in den letzten Jahren zugenommen: In den Jahren 2002 bis 2004 um acht Prozent. Lokomotive ist dabei der Gemüsebau mit plus 21 Prozent. Insgesamt erwirtschafteten die Wiener Betriebe 2004 85,9 Millionen Euro – ein Wiener Betrieb produziert wertmäßig das 3,8-fache eines österreichischen Durchschnittsbetriebes.

Gleichzeitig kommen die Wiener Betriebe immer stärker unter Druck: Nach Preisverfällen durch den EU-Beitritt sind die Erzeugerpreise für Gemüse- und Feldbauprodukte 2004 neuerlich stark eingebrochen, während vor allem die Energiekosten explodierten. (frei, DER STANDARD - Printausgabe, 29./30. Juli 2006)

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