Kräuter im Schatten der Stadt

28. Juli 2006, 20:47
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Der Kräuterbetrieb von Rudolf Holzhacker in der Donaustadt wird von Häusern überwuchert - Grüne Welte erfüllt von Basilikum-Duft

Wien – Rudolf Holzhacker übt sich in positivem Denken. "Man muss sich darauf einstellen. Das ist nun einmal Stadtgebiet – da kann man nicht mehr so wie früher."

Betritt man den Betrieb an der Donaufelder Straße, taucht man sofort in eine grüne Welt ein, erfüllt von Basilikum-Duft. Dazu die Begleitmusik mit Vogelgezwitscher – das könnte man schon als kleine Idylle bezeichnen.

Tatsächlich ist es aber ein rationell arbeitender, stets modernisierter Kräuteranbau-Betrieb – und die neue Welt von draußen rückt immer näher – bedrohlich näher. Holzhacker zeigt ein Luftbild, das er sich groß hatte anfertigen lassen – das ist gerade erst zehn Jahre her. Nur die unweit angesiedelte Veterinärmedizin steht auf dem Foto schon – sonst nur weite Felder, die Glashäuser und sonst nix.

Seither hat sich die Stadt "entwickelt", ist gewachsen – bis zur Grundstücksgrenze hin. Gleich neben Holzhackers Glashäusern strecken sich im Westen jetzt die 27 Meter hohen Wohnhäuser in die Höhe. Demnächst sollen auch noch die Höfe mit Erweiterungsbauten geschlossen werden, dann ist die Front zu.

Auf der Schattenseite

Und größere Häuser werfen ebensolche Schatten. "Da fängt im Winter der Abend um halb eins an", berichtet der Gärtner. Und Sonne bedeutet Wärme und Licht für die Glashäuser – was jetzt fehlt. "Wir müssen sehr viel Geld für Zusatzbelichtung aufwenden und brauchen jetzt um ein Drittel mehr Energie", bilanziert Holzhacker. "Nur einen Vorteil gibt es, einen einzigen: Wenn die Stürme mit 120 Stundenkilometern daherkommen, sind die Glashäuser ein bisschen geschützter."

Schon der Bau der benachbarten Wohnhäuser war alles andere als g’spaßig: Dass hier alles auf Donauschwemmland steht, weiß der Alteingesessene – die Baufirmen mussten es erst lernen. Und als dann das Erdreich unter den Glashäusern in den Kelleraushub der Häuser abrutschte, war es bereits zu spät. "Das musste wieder zugemacht und gepölzt werden – da ham s’ schon gearbeitet." Wenn jetzt nebenan wieder weitergebaut wird, befürchtet Holzhacker das Schlimmste.

Ob er schon eine Absiedlung ins Auge gefasst habe? "Ich kann ja nicht sagen, ich gehe irgendwohin. Ich brauch im Rucksack die Infrastruktur und Energie." Auch an den Einsatz nachwachsender Rohstoffe hat er bereits gedacht – aber für den Entschluss zu gehen "bräuchte man auf jeden Fall parallele Hilfestellungen".

Große Investitionen

Und auf der anderen Seite wurde gerade erst einiges investiert – auch in Lärmschutzmaßnahmen, Elektrostapler, Überdachungen und neue Ventilatoren, auf dass das neue Wohnumfeld vom Betrieb möglichst wenig gestört werde.

Und: "Es ist ein gewachsener Betrieb und jetzt maßgeschneidert für Kräuter", die nur über den Großgrünmarkt und nicht en Detail vertrieben werden.

Vor zehn Jahren hatte der Sohn begonnen, sich mit den Kräutern zu beschäftigen – und dieser Zweig mit den würzigen Zweigen wurde immer erfolgreicher. "Der Sohn hat da eine sehr gute Hand dafür, der ist durch und durch Gärtner. Wenn sie heute auf den Naschmarkt gehen, gibt es praktisch nur noch uns. Wir können uns mit unserer Qualität sehr gut gegenüber anderen Kräutern behaupten, die nach Wien kommen."

Ein großes, breites Sortiment an Qualitätskräutern wurde da entwickelt, von Basilikum über Rosmarin, Oregano bis hin zu den diversen Minzesorten.

"Und wir haben alles auf eine sehr naturnahe Schiene gebracht. Wir arbeiten mit Nützlingen, die immer wieder erneuert werden. Da gibt’s natürlich keine Chemie mehr, da muss man auf einem hohen Standard arbeiten."

Die Vorfahren Holzhackers hatten bereits im Jahre 1890 in Wien Fuß gefasst, waren erst in Heiligenstadt ansässig – und immer schon Gärtner. Die Blütezeit hatte der Familienbetrieb vor der vorigen Jahrhundertwende erlebt. Da war der Gemüsehandel der Tante als Hoflieferant noch mit einer k. k. Auszeichnung versehen.

Aber auch hier weiß der Nachkomme: "Die Zeit ist vorbei, wir müssen uns anpassen. Von den alten Substanzen kann man ein bisserl erzählen – aber Technik und Generationen gehen da drüber." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 29./30. Juli 2006)

Zum Weiterlesen
Bauern unter Druck
  • Rudolf Holzhacker im Meer aus Basilikum. Sein Sohn hatte damit begonnen, der hat die richtige Hand dafür.
    foto: standard/christian fischer

    Rudolf Holzhacker im Meer aus Basilikum. Sein Sohn hatte damit begonnen, der hat die richtige Hand dafür.

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