Natur pur auf dem Eisenstein

    17. Juni 2000, 13:50
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    Wanderungen, bei denen man nicht ständig auf grausliche Forststraßen stößt, sind in den Voralpen eine Rarität. Der Weg von Schwarzenbach an der Pielach auf den beliebten Eisenstein jedoch stellt eine rühmliche Ausnahme dar

    Bis zum Loicheck gibt es nur schmale Steige und längst nicht mehr benützte Karrenwege, die durch herrlichen Mischwald, über saftige Wiesen und idyllische Almen führen. Am Rande der Route erfreuen bis in den frühen Herbst Tausende der schönsten Blumen den Wanderer. Der Frühlingsenzian etwa bildet auf dem Loicheck blaue Teppiche. Der Weg von Schwarzenbach wird trotz seiner Schönheiten selten begangen; wahrscheinlich, weil die anderen Anstiege etwas kürzer sind. Seine Vorzüge wiegen den Nachteil auf, dass man keine Runde zu Stande bringt und auf der selben Strecke wieder zurück kehren muss.

    Der Eisenstein gilt als besonders lohnender Aussichtspunkt. Bereits oberhalb des Loicheck zeigt sich der Ötscher von seiner besten Seite. Die Sicht vom Gipfel des Berges reicht bis zum Großen Priel und zur Spitzmauer im Toten Gebirge, zum Traunstein und zu den Erhebungen des Böhmerwaldes. Dass Ötscher, Gippel, Göller, Schneeberg und die vielen Kuppen der Voralpen zum Panorama gehören, versteht sich von selbst. Die Julius-Seiter-Hütte knapp neben dem höchsten Punkt wurde 1910 erbaut. Die Chronik vermerkt, dass man bei der Eröffnung 500 Gäste zählte. Sie brannte 1933 ab und entstand ein Jahr später wieder. Sie gehört zu den besonders gemütlichen und urigen Gipfelherbergen. Getrennte Schlafräume für Damen und Herren – wie anno dazumal – gibt es nicht mehr. Auf der Alm unterhalb der Hütte tummelt sich das Jungvieh.


    Nutzvieh auf der Alm

    Dem "ALManach Niederösterreich" kann man entnehmen, dass die Tiere für rund 120 Tage auf die Hochfläche gebracht werden, wo sie täglich um durchschnittlich 0,6 kg zunehmen, in einer Saison also ihr Gewicht um 70 kg erhöhen. Die Route ist anfangs etwas steil und daher anstrengend, bietet aber keinerlei Schwierigkeiten. Markierung und Beschilderung lassen keinen Wunsch offen.

    In Schwarzenbach quert man beim Postamt auf einer Holzbrücke die fischreiche Pielach und erreicht auf Stufen rechts neben dem Haus 23 die rote Markierung, welche zu einem Gehöft und über einen Rücken hinweg zum Anwesen auf dem Loicheck führt.

    Gehzeit 1 1/2 Stunden. Geradeaus geht es an den Waldrand und auf einem Fahrweg den Kamm Richtung Kalteneck hinauf. Später quert man nach rechts in den Hang, gelangt zur Gipfelwiese und zum Schutzhaus. Ab Loicheck 1 Stunde. Der Rückweg erfolgt auf der Anstiegsroute, man braucht bis Schwarzenbach 1 3/4 Stunden.

    Gesamtgehzeit 4 1/4 Stunden, Höhendifferenz rund 650 m. Julius-Seiter-Hütte von 15. Juli bis Anfang September durchgehend offen (Dienstag Ruhetag), sonst Wochenendbewirtschaftung. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 73 (Türnitz).

    Von Bernd Orfer
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