Welche Titel führte der Komponist?

4. August 2006, 20:56
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Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet

Wolfgang Schweiger möchte wissen, welche Titel Mozart im Laufe seines Lebens führte.

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Als im Juni 1781 der Kampf zwischen Mozart und seinem verhassten Dienstherren Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo auf seinen Höhepunkt zusteuerte, schrieb der 25-jährige Mozart wutentbrannt an seinen Vater: "ich bin der beste kerl von der Welt - wenn man es nur mit mir ist. wenn ich aber sehe daß mich Jemand verachtet und gering schätzet, so kann ich so stolz seyn wie ein Pavian." Briefe dieser Art ließen bei Leopold Mozart die Alarmglocken läuten, schienen sie doch seine Vermutung zu bestätigen, dass Wolfgang von seinem Job als Hoforganist endgültig die Nase voll hatte und fest entschlossen war, in Wien ein neues Leben als freischaffender Künstler zu beginnen.

Nicht vergessen sollte man an dieser Stelle, dass Mozart als Mitglied der Salzburger Hofmusik formell zwar dem zweiten Stand angehörte, letztlich aber nichts anderes als Kammerdiener war. Dabei hätte sich Mozart bereits seit seinem 14. Lebensjahr "Wolfgang Amadé Ritter von Mozart" oder "Chevalier de Mozart" nennen können, wurde ihm doch 1770 von Papst Clemens XIV. der bedeutende "Orden vom Goldenen Sporn" verliehen.

Aber im Gegensatz zu Christoph Willibald Gluck, der als Träger dieses Ordens größten Wert darauf legte, als "Ritter" oder "Chevalier" angesprochen zu werden, interessierten Mozart Ehrungen dieser Art überhaupt nicht. Unmittelbar nach der Verleihung unterzeichnete Wolfgang einen Brief an seine Schwester Nannerl zwar scherzeshalber einmal mit "chevalier de Mozart", aber später nannte er sich in direkter Bezugnahme auf diese Auszeichnung wenig respektvoll lieber "Edler von Sauschwanz". Wie wenig ihm der Titel "Ritter" bedeutete, zeigt auch der Umstand, dass er im Laufe der Jahre nicht nur die päpstliche Ernennungsurkunde, sondern auch den Orden verlor. Gestorben ist Mozart als schlichter "k. k. Kapellmeister und Kammer Compositeur". P.S. In der Kolumne vom 15. Juli habe ich geschrieben, dass Schwanenstadt an der Traun liege. Das ist natürlich Unsinn. An "Schwauna" fließt immer noch die Ager vorbei. Ich bitte alle "Schwanerer" um Vergebung. (ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.7.2006)

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