weißt du

29. Juli 2006, 18:48
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...die heiterkeit war mir immer zu heiter, und die traurigkeiten immer eine spur zu theatralisch...

weißt du, sagte er, und redete dabei mit sich selbst,

die größe war mir immer zu groß, die tiefe immer

zu tief, das seichte immer zu seicht, die heiterkeit

immer zu heiter, und die traurigkeiten immer eine

spur zu theatralisch, das helle immer zu grell,

das schnelle zu schnell, das banale zu bescheiden,

die innerlichkeit zu kokett, das tiefgründige zu

anmaßend, der protz zu dumm, die dummheit

zu ahnungslos, das laute zu selbstsicher, das genaue

zu pingelig, das wahre zu humorlos, der glaube

zu unduldsam, die ordnung zu stur, das blauäugige

zu blauäugig, die sanftmut zu heuchlerisch, das

heuchlerische zu unsensibel, die lüge zu platt,

der schmäh zu dick, das eingemachte zu dünn, die

herzensgüte zu penetrant, das penetrante zu eitel,

die eitelkeit zu arglos, das gute zu aufgesetzt, der

dreck zu künstlich, die sauberkeit zu klinisch und

das bedächtige zu gedankenlos. die ironie zeigte

keine distanz und der zynismus war nicht glaubwürdig. so hatte jedes sein zuviel und zuwenig, vieles

kein gegenteil, aber eines war mir immer und in

jeder situation das schlimmste: dasbedeutende. (Friedrich Achleitner/ DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.7.2006)

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