
Jugend am Werk (I): Israelische Schulmädchen beschriften Granaten mit Botschaften an die Hisbollah.

Jugend am Werk (II): Nachwuchskräfte der schiitischen Milizen demonstrieren in Beirut für die Vernichtung Israels.
Das ist in dieser Sommerkrise um dem Libanon derart offenkundig, dass die sekundäre Lektüre fast schon zur primären wird, die Hermeneutik des Verdachts zur vorherrschenden Rezeptionsweise: Warum nur vertritt der diese Meinung? Welche Diskursdynamik bringt diesen oder jene Zeitgenossin dazu, sich so zu äußern?
Die Debattenordnung der vergangenen Jahre sortiert das Meinungsfeld, so wie ein Magnetfeld Teilchen sortiert, und jeder ist an seinem Ort, bevor er sich noch äußert. Die "unschuldige Meinung", die nicht Teil einer solchen fragwürdigen Meinungs-Gemeinschaft ist, sie gibt es überhaupt nicht mehr. Und die vielen kleinen Meinungs-Gemeinschaften formieren sich wiederum zu Großgruppen - wobei man, und das ist womöglich das Hauptproblem, vernünftigerweise zu keiner von diesen gehören will.
Da sind, auf der einen Seite: die Friedensfreunde - Sektion A: die maßvollen Kritiker an Israels "unverhältnismäßigem Vorgehen", Sektion B: die etwas härteren Antiimperialisten, für die ohnehin alles schlecht ist, was Israel oder die USA tun.
Auf dieser Seite finden sich leider auch die klammheimlicheren oder weniger klammheimlichen Antisemiten, für die die Israelis die neuen Rassisten sind, brutale Kriegstreiber. Man versteht sich blendend mit denen, die gewohnheitsmäßig solidarisch zu moslemischen Outcasts stehen, und dabei zwischen dem Türkenbuben vom Brunnenmarkt und dem Djihadisten aus dem Bekaa-Tal nicht zu groß differenzieren wollen.
Und auf der anderen Seite: stehen diejenigen, die "den Islamismus"für die totalitäre Weltgefahr schlechthin halten und darunter so ziemlich alles subsumieren, was ethnisch, religiös oder in der polit-religiösen Zeichensprache unter dem Label "Islam"auftritt.
Hand in Hand mit den Protagonisten auf dieser Seite: die Proselyten der amerikanischen "Neokonservativen", nicht selten ehemalige Linke; viele europäische Juden, die vor ein, zwei Jahrzehnten noch zu den Unterstützern der israelischen Friedensbewegung zählten; die alten Rechten, die ihren Antisemitismus früherer Tage gegen die Hochachtung vor den israelischen Militärs vertauschten, weil die heute so toll soldatisch die Sache der freien Welt verfechten
Und immer mit dabei die "Antideutschen", diese groteskeste Narrentruppe deutschen Schuldkomplexes, die als Ergebnis der Gleichung "Deutsche böse = Opfer der Deutschen gut = Gegner der Opfer böse"zu einer ebenso krausen wie strammen proamerikanischen, proisraelischen und antimuslimischen Linken geworden sind. Die Grenzen zwischen diesen Meinungs-Gemeinschaften verschwimmen zunehmend: Antideutsche organisieren mit biederen Offiziellen jüdischer Gemeinden Demonstrationen, was oft lustig werden kann, haben die Kooperationspartner lebenskulturell meist nichts gemeinsam.
Strategien ...
Dies zur Ordnung des Diskurses. Aber was ist mit den Meinungen zum Libanonkonflikt, die in diesen Diskursen geäußert werden? Die müssen ja nicht notwendig hanebüchen sein. Nur: Selbst wenn sie es nicht sind, können sie der Ordnung des Diskurses nicht entkommen. Denn natürlich kann man sich, friedensbewegt und menschenfreundlich-pazifistisch, auf dem Jammer von den "unschuldigen Opfern"zurückziehen, die immer büßen müssen, wenn blutlüsterne Kriegstreiber der Welt ihren Stempel aufdrücken.
Doch sofort springt einen die Frage an, warum die Rede von den "unschuldigen Opfern"immer dann besonders laut wird, wenn sich Israel zu wehren beginnt. Die Rede von den "unschuldigen Opfern"ist selbst nie ganz unschuldig. Gerne zieht man sich auch etwas jargonhaft auf die "Unverhältnismäßigkeit der israelischen Gegenreaktion"zurück. Dann wird darauf hingewiesen, dass Israel, wegen Angriffen einer terroristischen Miliz, die aus dem Südlibanon Raketen abschießt und in einem provokativen Akt israelische Soldaten angriff und kidnappte, gleich den ganzen Libanon kaputtbombt.
Möglich, dass die israelische Reaktion "unverhältnismäßig"ist. Aber woher kommt die Inbrunst der Überzeugung, dass das ganz sicher so ist? Angenommen, aus einem benachbarten Land werden tausende Raketen auf Österreich abgefeuert, angenommen, einige davon treffen eine größere Stadt, sagen wir Graz - was wäre eine angemessene Reaktion auf diese Gefahr?
Oft sind es nur ein paar Sätze, die einem stutzig machen. Da hieß es etwa in einem Kommentar einer deutschen Tageszeitung: Angenommen die baskische Untergrundorganisation Eta hätte zwei spanische Soldaten nach Frankreich entführt und von Stützpunkten auf südfranzösischem Territorium Raketen auf Ziele in Spanien abgeschossen. Hätte die spanische Luftwaffe dann unter Berufung auf das Selbstverteidigungsrecht nach Artikel 51 der UNO-Charta den Pariser Flughafen, die Autobahn von Paris nach Brüssel sowie den Hafen von Marseille bombardiert?
Dieser "Vergleich"ist nur dann ein Vergleich, wenn wir gleichzeitig annehmen, dass die ETA mit zwei Ministern in der französischen Regierung vertreten ist und dass die französische Armee ganz Südfrankreich der ETA als ihr Operationsgebiet überlassen hat. Gewiss, das schnelle Journalistengeschäft ist ein fruchtbarer Boden für hinkende Vergleiche. Aber blühen manche solcher Vergleiche nicht besonders gut in Meinungs-Gemeinschaften, in denen meist nur mehr nach Argumenten für die Meinungen gesucht wird, die man ohnehin schon hat?
Man kann trefflich darüber streiten: Wer ist in diesem Krieg Angreifer? Wer Verteidiger? Verteidigt sich Israel gegen Terrorgruppen, die aus Gaza und dem Libanon Raketen ins israelische Kernland abfeuern? Oder ist das, als logische Folge falscher israelischer Politik, etwa des einseitigen Abzuges unter Torpedierung aller Maßnahmen zum "Nation-Building"letztlich erklärbar - und damit auch legitimierbar?
... der Denunziation
Angesichts solch fundamentaler Meinungsverschiedenheiten kann man natürlich über alles streiten, gerne auch unter Einsatz manipulativer Mittel: "Israel greift an zwei Fronten an", titelte etwa die Süddeutsche Zeitung. Hätte es nicht heißen müssen: "Israel schlägt an zwei Fronten zurück", wird den Blattmachern vorgehalten.
Auch die Bildsetzung ist denunzierbar. So illustrierte die Süddeutscheeinen Bericht auf Seite 3 mit zwei Bildern. Im Online-Feuilleton-Portal "Perlentaucher", wo der Wind offenbar in gemäßigt-neokonservative Richtung weht, hieß es daraufhin kritisch, die SZ"kommentiert den neuen Nahostkonflikt mit einer kraftvollen Montage: Oben ein verletzter Junge im Libanon, unten ein israelisches Mädchen, das eine für die Hisbollah bestimmte Bombe signiert".
Insinuiert wird, dass die Botschaft der Bilder lautet: Im Libanon leiden die Kleinen, während sie in Israel für Kriegspropaganda missbraucht werden - dies wäre tatsächlich asymmetrische Bildsprache der Süddeutschen. Was nicht dazu gesagt wird: Das Bild aus dem Libanon zeigt, dass der Junge im Krankenhaus zum Trost für seine Schmerzen eine Plastik-MP geschenkt bekommt, also dass die Lebenswelten beider Kinder durch Kriegstreiberei vergiftet sind - die Montage ist also keineswegs so asymmetrisch, wie getan wird. Es sind das die Details, um die geht es, wenn Großmeinungen ihre Sache mit Manipulation im Kleinen betreiben.
Offen gesagt: Ich bin mir nicht so sicher wie die Friedensfreunde, dass der Krieg, den Israel führt, ein falscher, "unverhältnismäßiger"Krieg ist. Ich bin mir aber auch nicht so sicher wie die Haudraufs, dass das ein richtiger Krieg um eine "gerechte Sache"ist, noch dazu einer, der die Probleme lösen kann, deren Folge er ist.
Aber zwei Dinge weiß ich. Erstens: Ich will nicht mit antimuslimischen Ideologen gemeinsam für diesen Krieg, und ich will nicht mit antiisraelischen und antisemitischen Herumdrucksern gemeinsam gegen diesen Krieg sein. Zweitens: Kaum eine der geäußerten Meinungen hilft mir, auf diese Fragwürdigkeiten Antworten zu bekommen. Dieser Krieg wird in den diskursiven Rahmen gepasst, der in den vergangenen fünf Jahren entstanden ist. Wer der Meinung ist, dass der islamistische Terrorismus der neue Totalitarismus ist und bellizistische Entschiedenheit die richtige Haltung ist, mit ihm fertig zu werden, wer gestern etwa für das Kopftuchverbot stritt - der ist heute für Israels neuen Libanonfeldzug.
Und wer findet, dass in diesem Krieg gegen den Terror vieles falsch läuft, dieser vielleicht sogar nur Camouflage amerikanischer Hegemonieinteressen ist, und wer die Aufregung um Zwangsehen unter Muslimen etwas übertrieben findet - der kritisiert Israel.
Irgendwie fürchte ich leise, dass diese Meinungs-Gemeinschaften Teil des Problems sind - und nicht Teil der Lösung. (DER STANDARD, Print, 29./30.7.2006)
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der in Wahrheit NOCH eine Frage zwischen den Zeilen mit behandelt: ist es notwendig, zu allem jederzeit eine gefestigte Meinung zu haben?
Andererseits: wer sich die Freiheit der Meinung nimmt, muss (und darf) in Kauf nehmen, dass er in dieser Sache einer Meinung mit Menschen ist, deren Standpunkte er sonst vehement ablehnt. Sich jeder Meinung zu enthalten, bloß um nicht in einem Boot mit den falschen zu sitzen, wäre auch eine Form von Opportunismus.
Oder sollte ich sagen: parteilich?
Heute haben vor der Oper österreichische Linksextremisten gemeinsam mit muslimischen Gruppen Sprüche skandiert, wie: "Israel ist die Gefahr, wir sind mit der Hizbollah", vereinzelte Bilder von Nasrallah war zu sehen. Hitzige Debatten zwischen arabischen Antisemiten und österreichischen Antiimperialisten, die so aussahen: Die Araber erklärten ihnen: die Juden sind schuld. Die Antiimperialisten erklärten darauf: Nein, die Amerikaner sind schuld. Das scheint auch ungefähr schon der Kern der Debatte gewesen zu sein. Man konnte sich dann darauf einigen, dass natürlich die USA und Israel daran schuld sind, immerhin das Wichtigste, was man bei mittlerweile einigen hundert Toten sagen kann.
es sind auf ALLEN Seiten, auch auf arabischen, EINZIG UND ALLEIN DIE SCHULD, welche glauben, mit GEWALT Konflikte lösen zu können.
DIE GEWALTBEREITEN sind schuld, egal welcher Herkunft.
Die dumme pauschale Schuldzuweisung an Völker, Rassen, Religionen, Ethnien ist genau das Problem aller DUMMEN auf der Welt.
Und DIE regieren leider, wie man sehen muß.
Grundsätzlich ist alleine der Glaube an der ganzen Misere schuld, insbesondere das altertümliche muslimische Gedankengut entspricht in keiner Weise einer modernen Welt. Von daher ist es theoretisch gar nicht mögich, eine Gesellschaft mit fundamentalistischen Muslimen in der modernen Welt auch nur ansatzweise zu integrieren. Ausserdem kann man mit diesen "Spezialisten" nicht diskutieren, denn wo jedes zweite Wort aus dem Koran zitiert wird, ist sowieso Hopfen und Malz verloren. Dass hier die Waffen sprechen (müssen) wundert mich gar nicht und ist auch nicht anders zu erwarten. Ein Friede ist hier sicherlich reines Wunschdenken irgendwelcher träumenden Weltverbesserer.....
Daß mit dem Vorwand religiöser Begründung unglaublich viel Schindluder getrieben wird, ist unbestritten.
Aber den Religionen die Schuld zu geben ist absoluter UNSINN.
Menschen, die religiöse Begründungen für Untaten, inakzeptable Handlungsweisen geben, MISSBRAUCHEN ihren Glauben.
Hätten Sie DIESEN nicht, sie fänden ANDERE Ausreden, warum sie andere Menschen ablehnen, bekämpfen, gegen sie aggressiv sind.
Ihre Rundumschläge gegen den Islam sind erbärmlich, armselig und zeugen von unglaublichem Wissensdefizit.
Es ist unglaublich naiv zu glauben, Religion weg, Menschen psychisch gesund.
Psychisch gesunde menschen haben nämlich KEINE Probleme, weder mit ihrem Glauben, noch mit Menschen anderer Kultur, Religion, Herkunft, Rasse....
Ist doch im Endefekt egal. Wir sind alle in erster Linie Menschen und keine Viecher (?). Fakt ist das die zwei Welten - Christen und Juden auf der einen Seite und Muslime auf der anderen Seite Probleme miteinander haben. Was auch immer der Grund ist für den Hass der da verbreitet wird (Ausbeutung, Rücksichtslosigkeit, Kapitalismus, Neid, Ideologie ...). Es wird, wenn sich das so weiter aufschaukelt, zu einem globalen Handgemenge komme - und wenn die Iraner noch atomare Waffen haben, dann pfüat gott... Die anderen Welt-Probleme werden uns noch den Rest dazu besorgen.
Es liegt NICHT daran, daß auf der einen Seite Christen und Juden (seit wann denn ??) und auf der anderen Seite Muslime sind, sondern daran, daß unter ALLEN auf allen Seiten eben Aggressive, aber auch Friedliebende, Bemühte existieren.
Religionen, Kulturunterchiede, Hautfarben, alles sogenannte Trennende wird nur VORGESCHOBEN, wenn es um Feindbilder geht.
Die Ursache für Kriege und Neid und Mißgunst liegt in JEDEM von uns. Irgend ein Vorwand findet sich immer, warum man den anderen nicht will. Die schlimmsten Kämpfe finden oft in Familien statt...
Empfehle www.alice-miller.com oder http://members.inode.at/g.hebenst... lueck.html
In unserer KINDHEIT wird der Grundstock gelegt, ob wir streiten müssen....
Sicher ist der "Glaube" nur ein Vorwand und sicher sind die meisten Menschen auf der Welt, egal welchen Glaubens, nicht zu kriegerischer Gewalt bereit und wollen nur Ihren Geschäften nachgehen. Jedoch sind die, die es sind, bereit einen "heiligen Krieg" gegen jeden Ungläubigen zu führen. Auf allen Seiten und sogar gegen die eigenen Leute. Das ist so alt wie die Menschheit selbst, und da hat sich in den letzen 2000 Jahren nicht viel geändert. In Wirklichkeit geht es bei all den Menschen in erster Linie um Macht und dann die Gier nach Ressourcen wie Erdöl, Erze etc.(=Macht) und nicht zu vergessen um Raumgewinn. In der Familie ist es ja nicht anders da haben Sie schon recht und dort liegt auch der Schlüssel zu allem.
...sich eine meinung zu bilden und diese auch zu vertreten.
mein eindruck ist, r. misk würde mit seinem text zu suggerieren versuchen, er hätte sich diese meinung nicht gebildet - was mir wenig glaubwürdig erschiene.
diesen einwänden zum trotz kompliment für den text, welcher die schwierigkeiten und irrwege auf dem ebenso wichtigen wie aussichtlosen weg "wahrheit finden" ganz ausgezeichnet vermittelt.
Als ob jemals Krieg einen Gewinner und Verlierer gehabt haben. Tja die Sieger schreiben die Geschichte! Aber diesen radikalen Kräften (Muslime) die nur noch darauf warten eine A- Bombe zu bekommen, werden sie vielleicht in Israel, aber auch vielleicht in Wien loslassen! Also meiner Meinung nach dürfen der Iran abseits vom Libanon nicht zu einer Atommacht werden!
Ganz meine Meinung. Ich denke auch das die Radikalen Muslime nur warten bis Sie die Technologie haben und dann den "verhassten Westen" auslöschen wollen. Gründe lieferen wir Ihen ja genug. Lange dauert es jedenfalls nicht mehr, wenn man die Steigerungen der Gewalt der letzten Monate beobachtet und weniger ist es bis jetzt noch nie geworden.
www.chomsky.info/whatsnew.htm
A letter from Chomsky and other on the recent events in the Middle East(July 19, 2006)
Wie Sie in diesem Thread geduldig und höflich jede Unterstellung der Parteinahme für Israel parieren und die Ungeteiltheit des Mitgefühls mit allen Opfern betonen, das gefällt mir sehr. So eine differenzierende menschliche Haltung findet man hier sehr selten!
da aber weder Sie noch ich die Lage anders beurteilen können als über Medienberichte, ist es uns unmöglich zu sagen, wer böser, wer besser ist, und wieviel... bringt auch nichts.
Tatsache ist, daß das Verhalten BEIDER Seiten kontraproduktiv ist, jede mögliche Lösung in weite Ferne rückt.
Sehen Sie das anders ?
Wenn ja, würd mich ehrlich geasgt auch mal IHRE Meinung dazu interessieren anstatt Zurechtweisungen derer, die versuchen, halbwegs objektiv zu beurteilen...
Andere nur lächerlich zu machen versuchen oder in Frage zu stellen, ohne selbst was beizutragen, ist auch net grad das gelbe vom Ei....
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