Krumau

10. Mai 2005, 22:16
posten

Eine Stadt wie ein einziges historisches Denkmal, ein Ensemble aus 300 alten, großteils gefühlvoll renovierten Häusern - für Gitta Trost ein magischer Ort zum Wiederkommen.

Sogar die Anreise durch die lieblich-hügelige Landschaft Tschechiens mit ihren Alleen, den Blumenwiesen und Garbenfeldern passt perfekt ins Bild. Und dann die "Perle der Renaissance", Ceský Krumlov, wo an diesem Wochenende (17./ 18. Juni) mit dem farbenprächtigen "Fest der fünfblättrigen Rose", Umzügen in historischen Gewändern, mit Ritterspielen und einem Sonnwend-Feuerwerk auf der Burg die Festival-Saison beginnt. Allerdings herrscht da auch ein ziemlicher Wirbel, so dass man kaum geruhsam durch die Stadt schlendern und die Wirkung ihrer malerischen Winkel auskosten kann.


Erster Tag

Beginnen wir unseren Rundgang an einem der Parkplätze unterhalb des Schlosses (das historische Zentrum der Stadt ist nur für Anrainer und Zu- und Abfahrten offen) und tauchen wir unter einem mehrstöckigen Viadukt durch in den mittelalterlichen Kern. Am gegenüberliegenden Moldau-Ufer: Wirtsstuben und Restaurants mit Aussichtsterrassen zum Wasser und Blick auf die Burg. Für die Besichtigung des die Szenerie überragenden Schlossberges muss man sich mindestens einen halben Tag Zeit nehmen. Der Burggraben mit den Bären, die Sgraffiti-Höfe, der farbenprächtige Schlossturm, die gemütlichen Wohntrakte mit dem Maskensaal samt seinen üppigen Fresken und das selten gut erhaltene barocke Schlosstheater sind die Highlights, der weitläufige Park und der kühle Wenzelskeller die Annehmlichkeiten an einem heißen Sommertag.

Apropos Sommer: Echte Abkühlung verspricht eine Paddeltour den Mäander der Moldau entlang. Die Einstiegstelle ist unterhalb vom Hotel Ruze, einem ehemaligen Jesuitenkloster, und drei Stromschnellen weiter kann man dann wieder das Ufer anpeilen oder die Tour auf zwei, drei oder mehr Stunden ausdehnen. Per Shuttle-Service geht's zurück nach Krumau.

Wer gut zu Fuß ist, wird nachmittags durch die Gässchen schlendern, oben die phantasievollen Giebel und unten die Auslagen der Geschäfte mit Holzspielzeug, Keramik, Glas und Kunsthandwerk bewundern und sich zwischendurch in einem urigen Bier-Beisl stärken. Abends lässt man den Tag je nach Wetter in einem Gewölbe mit offener Feuerstelle wie dem U satlavy oder dem Marketa im Schlosspark, im ältesten Lokal, dem Na louzi, am Moldau-Ufer oder im Hotel Ruze mit einem veritablen Ritterschmaus ausklingen.


Zweiter Tag

In einem der schönsten historischen Gebäude Krumaus, der ehemaligen Stadtbrauerei, ist das Schiele-Zentrum untergebracht. Über den Marktplatz mit Renaissance-Rathaus und Pestsäule kommt man zur barocken St. Veits-Kirche und weiter zum Stadt-Museum mit dem einmaligen keramischen Modell der Stadt.


Anreise: Im Auto von Wien in rund drei Stunden, ab Linz gut eine Stunde. Von Wien führt die direkteste Strecke über die Stockerau-Autobahn in Richtung Gmünd über Maissau zum Grenzübergang Neunagelberg. Von dort nach Trebon und weiter in Richtung Ceské Budejovice (Budweis), wobei man aber nach ca. 10 km links in Richtung Ceský Krumlov abzweigt und querfeldein in knapp 30 km Krumau erreicht.
Für Bierfreunde: Das "Budvar" aus der nahegelegenen Brauerei wurde von tschechischen Bierfachleuten zum Bier des 20. Jahrhunderts gekürt. Prost!
Für Erschöpfte: Das Café im Schiele-Zentrum ist heimelig möbliert und hält meist hausgemachte Mehlspeisen bereit.
Für Hungrige: Im Na louzi gibt's zwar kaum Platz, dafür aber preiswert bodenständige Hausmannskost.
Unterkünfte: Im Hotel Ruze logiert man zwar nicht gerade billig (internationales 4-Stern-Niveau), dafür aber in mittelalterlichem Ambiente (Tel: 00420337/ 772 100). Aber es gibt auch viele kleine Pensionen.
Informationen: Tschechische Zentrale für Tourismus,
Herreng. 17, 1014 Wien, Tel: 01/533 21 93;
Krumauer Inspiration, Tel: 00420337/712 405 oder 711 922, E-Mail: , http://www.ckrumlov.cz

Ganz persönlich

Es ist eine gute Idee, einen Besuch in Krumau mit einem kulturellen Highlight zu verbinden. Etwa dem internationalen Musikfestival (4. bis 26. August). Da ist die Stadt zwar ziemlich bevölkert und schwerer ein Zimmer zu bekommen, zeigt sich sonst aber von ihrer schönsten Seite. Und weil sich die Konzerte in oder (im Freien) vor den verschiedenen Sehenswürdigkeiten abspielen, hat man gleich auch Gelegenheit, sich in Ruhe umzusehen. Man muss sich Zeit nehmen, hinter das Geheimnis der Faszination dieses Ortes zu kommen. Immer wieder durch die Gässchen flanieren, sie bei verschiedenem Licht besehen; wobei weibliche Besucher lieber auf Stöckelschuhe verzichten sollten, da das alte Kopfstein-Pflaster und die manchmal recht steilen Wege ihnen die Freude sonst gehörig vergällen könnten.

Share if you care.