Schecktrick: Betrug durchschaut, Geld trotzdem weg

31. Juli 2006, 15:16
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Misstrauisches Opfer musste bei der Bank eine exorbitante Bearbeitungsgebühr bezahlen

Wien/Linz - 2500 Euro Lohn, um einen Scheich zwei Wochen lang durch Österreich zu begleiten? Ein wohldotiertes Angebot, das in einigen E-Mail-Fächern gelandet ist. Zwei Oberösterreichern hat es eine Menge Geld gekostet, handelt es sich doch in Wahrheit um ein neues Kostüm für den alten Verrechnungsscheckbetrug. Ein Opfer zahlte allerdings sogar drauf, obwohl es auf die Masche nicht hineingefallen ist - der Mann musste bei der Bank eine exorbitante Bearbeitungsgebühr bezahlen.

Aus Dubai stamme er, beschwört der angebliche Scheich per E-Mail Träume von märchenhaften Reichtümern herauf. Und für sich und seinen Hofstaat benötige er einen einheimischen Reisebegleiter. Eine Masche, die offenbar in Oberösterreich (wo der saudische Prinz Khalid bin Abdullah sich vor einigen Jahren am Mondsee ein Hotel bauen ließ) besonders gezogen hat, wie das Bundeskriminalamt am Freitag warnte.

Sobald man sich auf das Angebot hin meldete, wurde der alte Trick durchgezogen. Man bekam einen gefälschten Verrechnungsscheck, der deutlich überdotiert war. Gefolgt von der via E-Mail nachgereichten Bitte, den überzähligen Betrag doch bitte via Money-Transfer nach Großbritannien zu überweisen. Das Problem: Da der Scheck eine Fälschung ist, sandte der Empfänger in Österreich gutes Geld ins Vereinigte Königreich, während die heimische Bank das ausbezahlte Geld zurückforderte, nachdem der Scheck geplatzt war

Ein Oberösterreicher verlor laut Bundeskriminalamt (BK) auf diese Weise 4000 Euro. Ein zweiter Mann war deutlich misstrauischer. Und ist dennoch um 2900 Euro ärmer. Er gab seiner Bank nämlich den Auftrag, den Scheck prüfen zu lassen. Das Institut erfüllte den Wunsch, bestätigte, dass das Papier falsch sei - und forderte das Geld plus Bearbeitungsgebühren zurück, gab der Geschädigte gegenüber der Polizei an.

Hohe Bankspesen

Wie sich herausstellte, kam die exorbitante Summe zustande, weil der Mann auf eine vordringliche Prüfung drängte, dann den Scheck einlöste und das Geld abhob, erläuterte BK-Sprecher Gerald Hesztera. Zu den vermeintlichen 2500 Euro Lohn kamen so nämlich auch noch Recherchegebühren, Spesen der ausländischen Bank und Bearbeitungsgebühren dazu - in Summe 400 Euro.

Was noch immer relativ hoch ist, wie es bei unbeteiligten Banken heißt. Erfahrungsgemäß machen die Bearbeitungsgebühren für geplatzte Schecks nämlich eher 70 bis 100 Euro aus, rechnen Experten vor. Auch beim Verband der Banken und Bankiers ist man über derart hohe Spesen eher verwundert. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 29./30. Juli 2006)

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