Kritik in Teheran an Ahmadinejads Brief-Diplomatie

28. Juli 2006, 18:06
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Abgeordnete: Außenministerium vor Schreiben an Bush, Merkel und Chirac nicht kontaktiert

Teheran - Iranische Parlamentsabgeordnete haben Präsident Mahmoud Ahmadinejad am Freitag wegen seiner Brief-Diplomatie kritisiert. "Der Präsident schickt Briefe an (westliche) Staats- und Regierungschefs, ohne zuvor das Außenministerium zu konsultieren oder diplomatische Gepflogenheiten in Betracht zu ziehen", sagte der konservative Abgeordnete Hashem Hejasifar laut der Nachrichtenagentur ILNA. Neben US-Präsident George W. Bush und Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auch Frankreichs Präsident Jacques Chirac einen Brief von Ahmadinejad erhalten.

Merkel hatte vergangene Woche die in dem Brief Ahmadinejads enthaltene Israel-Kritik scharf zurückgewiesen und erklärt, sie werde das Schreiben nicht beantworten. Er wiederhole das alte Denken, was vollkommen inakzeptabel sei. Merkel kritisierte auch, dass der Brief keinerlei Angaben zum umstrittenen iranischen Nuklearprogramm enthalte. Ahmadinejad hatte im Mai auch einen Brief an Bush geschrieben und darin die westlichen Demokratien für gescheitert erklärt. Auch damals war er auf den Konflikt um das iranische Atomwaffenprogramm nicht direkt eingegangen.

Der Abgeordnete Akbar Aalami schrieb an Ahmadinejad, die beleidigende Reaktion von Bush und Merkel habe dem iranischen Volk nichts weiter als "eine Erniedrigung eingetragen". Es wird davon ausgegangenen, dass Ahmadinejad noch weitere Briefe schicken wird. (APA/dpa)

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