Mück fühlt sich "weithin bestätigt"

29. Juli 2006, 00:12
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"Manipulation, Mobbing und Frauenfeindlichkeit lassen sich nicht ableiten"

Die von Ex-ORF-Chef Otto Oberhammer geleitete Gruppe, die in den vergangenen vier Wochen kolportierte Missstände im ORF untersuchte, hat am Freitag die Arbeit beendet und ihren Bericht an ORF-Generaldirektorin Monika Lindner übermittelt. Auf etwa 30 Seiten sind darin knapp 20 Fälle gesammelt und bewertet. Oberhammer zeigte sich in einer Aussendung zufrieden darüber, "dass die Arbeit in einem sehr konstruktiven Klima geleistet wurde und der Schlussbericht die Zustimmung aller Mitglieder gefunden hat".

"Frauenfeindliche und herabwürdigende Äußerungen"

Der ORF-Stiftungsrat hatte Lindner Mitte Juni empfohlen, eine Reihe von öffentlichen Vorwürfen im Zusammenhang mit dem ORF überprüfen zu lassen. Konkret ging es um "frauenfeindliche und herabwürdigende Äußerungen" gegenüber Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die "Bedrohung" von Mitarbeitern mit "Karriereauswirkungen", "behauptete Manipulation der Berichterstattung" sowie "schwere Verstöße gegen das Redakteursstatut". Ein Teil der genannten Vorwürfe bezog sich auf Chefredakteur Werner Mück. Dieser stand der Gruppe rund 18 Stunden Rede und Antwort.

Keine inhaltlichen Details

Inhaltliche Details oder gar Auszüge des Schlussberichts gab es am Freitag vorerst nicht. Nicht alle Vorwürfe gegen Mück sollen sich als haltlos herausgestellt haben, sickerte im Vorfeld durch. Neue Fragestellungen könnte indes die Causa Opletal aufwerfen, mit der Mück nichts zu tun hat, in der jedoch die Rolle von ORF-Zentralbetriebsratsobmann Heinz Fiedler und ORF-Chefin Lindner selbst beleuchtet werden. Helmut Opletal sollte ursprünglich China-Korrespondent des ORF werden, was auch schon öffentlich kommuniziert wurde. Danach gab es ORF-interne Querschüsse, woraufhin Opletal seine Bewerbung wieder zurück zog.

Stiftungsräte fordern Übermittlung des vollständigen Berichts

ORF-Chefin Lindner hat nun bis Ende Juli, also Montag, Zeit, die Stiftungsräte über die Ergebnisse der Untersuchung zu informieren. Der Umgang Lindners mit dem Prüfbericht könnte auch Auswirkungen auf ihre weiteren Chancen bei der Wahl des Generaldirektors am 17. August haben, hieß es zuletzt aus dem obersten Aufsichtsgremium des ORF. Die Stiftungsräte Karl Krammer (SPÖ), Pius Strobl (Grüne) und Peter Fichtenbauer (FPÖ) appellierten am Freitag in einem Schreiben an Lindner, "allen Stiftungsräten den vollständigen Bericht" der Untersuchungsgruppe zu übermitteln. "Jede andere Vorgehensweise könnten wir nicht akzeptieren", heißt es weiter. Kommt Lindner dem Wunsch nach vollständiger Information nicht nach, dann steht auch eine weitere Sondersitzung des ORF-Stiftungsrates zur Debatte.

Mück fühlt sich "weithin bestätigt"

Nach Vorlage des Berichts der ORF-Evaluierungsgruppe, die in den vergangenen vier Wochen kolportierte Missstände im ORF untersucht hat, fühlt sich ORF-Chefredakteur Werner Mück in seiner Arbeit und seinen Entscheidungen "weithin bestätigt". Dies erklärte Mück Freitagnachmittag gegenüber der APA. Er habe den Bericht soeben zur Stellungnahme an die Generaldirektorin erhalten.

"Der Umfang des 30-seitigen Berichtes belegt, dass es sich die Gruppe nicht leicht gemacht hat und allen kolportierten Vorwürfen penibel auf den Grund gegangen ist", so Mück. "Ich fühle mich als der vermutlich best geprüfte Chefredakteur Österreichs in meiner Arbeit und meinen Entscheidungen weithin bestätigt. Vorwürfe wie Manipulation der Berichterstattung, Mobbing sowie Frauenfeindlichkeit lassen sich aus diesem Bericht gewiss nicht ableiten. Vor allem aber werden alle Zweifel an der Unabhängigkeit und Objektivität der TV-Information des ORF ausgeräumt. Das ist für mich die wichtigste Botschaft dieses Berichtes, weil damit über alle Divergenzen hinweg das gemeinsame Fundament der Arbeit aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im öffentlich-rechtlichen ORF außer Streit gestellt wird", erklärte der ORF-Chefredakteur auf Anfrage der APA.

"Großer Zeit- und Leistungsdruck

Der Bericht eröffne nun die Chance, die dringend erforderliche Programmdiskussion "unbelastet von unbegründeten Vorurteilen" zu führen. Mück verkenne aber auch nicht die "kritischen Anmerkungen im Hinblick auf meine oft sehr direkte und gelegentlich vielleicht missverständliche Ausdrucksweise sowie die angesprochenen Konflikte bei der Auslegung des Redakteursstatutes", wie er erklärte. "Ich werde meinen Beitrag zur Entspannung leisten, erwarte das aber auch von meinen Kritikern. Alle gemeinsam stehen wir im wichtigsten Medium des Landes unter großem Zeit- und Leistungsdruck. Das geht leider oft auch zu Lasten wünschenswerter Diskussionen. Wenn ich bei den vielen Gesprächen, die ich zu führen habe, in Einzelfällen Kollegen oder Kolleginnen gekränkt haben sollte, stehe ich nicht an, mich zu entschuldigen. Andererseits darf ich erwarten, dass nicht belegbare Vorwürfe auch zurückgenommen und nicht mehr wiederholt werden." (APA)

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