Wahleinsatz zweier Österreicher

8. August 2006, 17:33
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Major Manfred Prantl und Oberst Karl-Heinz Braun arbeiten im taktischen Hauptquartier der EU-Mission zum Schutz der Wahlen in Kinshasa

Die beiden Offiziere machen zum Plaudern eine Pause in der Open-Air-Cafeteria gleich neben dem Hauptquartier. Sie trinken kalte American Cola unter dem diesigen kongolesischen Himmel. Seit dem 13. Juli sind sie in der Hauptstadt Kinshasa, sie stellen zwei Drittel des österreichischen Beitrags zur europäischen Mission für den Kongo, Eufor. Der dritte Österreicher traf am Donnerstag, den 27. Juli, ein.

Major Manfred Prantl und Oberst Karl-Heinz Braun arbeiten beide im taktischen Hauptquartier der Eufor. Das liegt wie bei einer Babuschka-Puppe im Zentrum des Geländes von N’dolo. N’dolo ist ein Stadtflughafen, der inmitten bevölkerter Stadtviertel der Acht-Millionen-Stadt liegt. Auf dem Gelände hat auch die kongolesische Luftwaffe ihr Quartier. Die Eufor sitzt hinter Stacheldraht, der von polnischen Militärpolizisten gesichert wird. Innerhalb des Lagers, speziell abgeriegelt, liegt das taktische Hauptquartier.

Stehen bleiben!

Der 36-jährige Prantl aus Imst kümmert sich um die Verhaltensregeln der Soldaten im Einsatz. Das geht vom Einsatz von Luftfahrzeugen bis zu Warnschüssen von Soldaten, erklärt er. Prantl war auch zuständig für die so genannte Soldier’s Card, die jeder Soldat im Einsatz stets bei sich tragen soll. Herzeigen darf er sie nicht, aber Prantl erklärt, dass darauf die wichtigsten Ausdrücke stehen, um Soldaten und Bevölkerung zu schützen. Das reicht von deeskalierenden Höflichkeiten wie Guten Tag über Wo ist der Weg? bis zu Halt! Stehen bleiben oder ich schieße! Die Ausdrücke stehen in Französisch, Englisch, Lingala und einigen Sprachen der knapp 20 Nationen umfassenden Eufor-Truppe auf der Karte.

Braun, 50, aus Ternitz, ist Abteilungsleiter in der zivil-militärischen Zusammenarbeit. Er hält Verbindung zur zivilen Umwelt, zu Kirchen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), auch zu staatlichen Stellen. Es geht darum, zu erfahren, wie zum Beispiel NGOs die Lage sehen, sagt Braun, die schon weit vor uns da waren und auch noch da sein werden, wenn die Eufor schon wieder weg ist.

Seine zweite Aufgabe sind QIPs, Quick Impact Projects. Er sucht nach sinnvollen, schnell wirksamen Verbesserungen, um in den vier Monaten etwas für die Bevölkerung zu hinterlassen. Ob es um die Schulrenovierung oder anderes geht, steht noch nicht fest. Prantl, der zum ersten Mal in Afrika ist, hat von der Bevölkerung einen passiv freundlichen Eindruck. Auch Eufor gegenüber hat er sie als freundlich eingestellt erlebt.

Österreich würden viele kennen, überhaupt, man darf die Leute nicht unterschätzen. Die sind gut informiert, haben zum Teil sogar vom Extra-Mandat der Deutschen gehört, sagt Braun. Er kannte bereits den Ostkongo und arbeitete über ein Jahr im benachbarten Ruanda für die UNO, die 1994 kläglich versagte, den Völkermord zu verhindern. Laut Plan soll die Eufor bis 30. November bleiben. Zum Thema Heimaturlaub zwischendurch sagt einer der beiden: Ich fürchte nicht. (Judith Reker aus Kinshasa, DER STANDARD, Print, 29./30.7.2006)

  • Karl-Heinz Braun und Manfred Prantl in N’dolo vor einem Feld, das für  Zeltunterkünfte planiert wird.
    foto: standard/reker

    Karl-Heinz Braun und Manfred Prantl in N’dolo vor einem Feld, das für Zeltunterkünfte planiert wird.

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