Überdiagnose von Prostatakrebs durch PSA-Tests

31. Juli 2006, 10:30
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Bei rund der Hälfte der Patienten wäre die Erkrankung innerhalb ihrer Lebenszeit nicht ausgebrochen

London - Ein weit verbreiteter Einsatz von PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs führt zu einer Überdiagnose der Krankheit. Laut einer britischen Untersuchung entdecken die Tests des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) zwar viele Fälle von Tumoren. Bei rund der Hälfte der davon betroffenen Patienten wäre der Krebs aber innerhalb ihrer Lebenszeit nicht ausgebrochen.

Ohne Früherkennung keine Auffälligkeit

Hier sprechen Mediziner von Überdiagnose. Die Studie der Universität Cambridge sollte klären, in welchem Maße PSA-Tests zu solchen Entwicklungen führen. Dazu glichen die Forscher die PSA-Tests eines Krankenhauses in Cambridge mit den registrierten Prostatakrebs-Erkrankungen ab.

Zwar wurde erwartungsgemäß bei Männern, die sich PSA-Tests unterzogen, wesentlich häufiger der Tumor diagnostiziert als bei anderen Männern. Aber bei normalem Krankheitsverlauf und durchschnittlicher Lebenserwartung wäre er bei schätzungsweise 40 bis 64 Prozent dieser Personen ohne die Früherkennung nicht aufgefallen.

Keine bevölkerungsweite Untersuchung empfohlen

Dazu bemerkt der Leiter des Nationalen Screening Komitees, Muir Gray, im "British Medical Journal": Bevölkerungsbasierte PSA-Tests ermitteln zweifellos Krebserkrankungen, die sich in der Lebensspanne der Person nicht gezeigt hätten. Aus diesem Grund empfehlen wir keine bevölkerungsweite Untersuchung." (APA/AP)

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