Vor allem Österreich gegen Türkei-Beitritt

31. Juli 2006, 16:35
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Spezial-Eurobarometer-Umfrage: Nur 39 Prozent dafür, stärkste Ablehnung in Österreich - Mehrheit für Kroatien - "Zu wenig" Information über Erweiterung

Brüssel - 48 Prozent der EU-Bürger sind gegen einen Beitritt des Kandidatenlandes Türkei auch "wenn das Land alle Kriterien erfüllt", 39 Prozent dafür. Die Ablehnung ist im EU-Schnitt damit zwar niedriger als im Herbst 2005, allerdings überwiegt trotz der neuen Fragestellung weiter die Zahl der Gegner, geht aus einer speziellen Eurobarometer-Umfrage zur Erweiterung hervor, die die EU-Kommission heute, Freitag, veröffentlicht hat. In Österreich ist die Ablehnung eines Türkei-Beitritts mit 81 Prozent unter allen 25 EU-Mitgliedstaaten am größten, die Zustimmung mit 13 Prozent am geringsten.

Zehn für die Türkei

In zehn Ländern, darunter einige neue Mitgliedstaaten, aber auch Großbritannien, Spanien oder Dänemark, gab es dennoch eine relative Mehrheit für den Türkei-Beitritt. In den Niederlanden, Schweden und Slowenien sprach sich sogar mehr als die Hälfte der Befragten dafür aus. Die meisten Gegner finden sich nach Österreich in Luxemburg und Deutschland (je 69 Prozent) sowie in Zypern (68 Prozent).

Mehrheitlich auf Ablehnung stieß unter den Befragten auch eine Aufnahme Albaniens, auch wenn das Land beitrittsreif wäre. 44 Prozent lehnen einen EU-Beitritts des kleinen Balkan-Staates ab, nur 41 Prozent unterstützen ihn. Für die anderen Staaten des Westbalkans (Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Serbien und Montenegro) gibt es, vorausgesetzt sie erfüllen die Bedingungen, eine relative Mehrheit von 46 bis 49 Prozent für eine Aufnahme.

Österreich skeptisch

Die größte Zustimmung gibt es für einen Beitritt des zweiten EU-Kandidatenlandes, Kroatien. Eine absolute Mehrheit der Befragten von 56 Prozent ist dafür und nur 30 Prozent dagegen. Die größte Skepsis gibt es gegenüber Kroatien in Luxemburg gefolgt von Deutschland und Österreich.

Generell fühlen sich 68 Prozent der EU-Bürger in Sachen Erweiterung nicht ausreichend informiert, betonte die Sprecherin von EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn. Zwar sei eine relative Mehrheit der Befragten für die Aufnahme neuer Länder und sehe positive Auswirkungen auf Sicherheit, Stabilität und kulturelle Vielfalt in Europa. Das erweiterungsskeptischste Land in der EU ist weiterhin Österreich. Mehr Gegner als Befürworter einer Aufnahme weiterer Länder gibt es auch in Finnland, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg.

Die Meinungen über die ökonomischen und sozialen Vorteile einer Erweiterung gehen hingegen auseinander. Obwohl die Fakten dagegen sprechen, hätten viele EU-Bürger das Gefühl, dass sich extrem viele neue Arbeitskräfte in ihrem Land niedergelassen hätten. Drei Viertel befürchten die Verlagerung von Jobs in die neuen Mitgliedsländer. Auch die nachweisbaren Exporterfolge würden kaum wahrgenommen, so die Sprecherin. (APA)

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