Gratisnummern werden teurer

6. August 2006, 17:15
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Sorgen seit Jahren für Zank und Hader: die häufig leer stehenden Telefonzellen. 0800-Notrufe aus der Zelle könnten bald etwas kosten

Eine Art Abschiedsgeschenk hat sich Vizekanzler Hubert Gorbach für die Telekom Austria (TA) ausgedacht. Bekommen soll der teilstaatliche Telekomkonzern, was ihm Regulierungsbehörde und Verwaltungsgerichtshof seit 2002 beständig verwehren: die Möglichkeit, für Gespräche aus Telefonzellen höhere Verbindungsentgelte zu kassieren.

Universaldienstverordnung

Das wird die TA laut der nun zur Begutachtung ausgeschickten Novelle zur Universaldienstverordnung zwar nach wie vor nicht direkt bei den Konsumenten tun dürfen, aber bei ihren Großkunden, die so genannte Gratisnummern anbieten. Konkret eröffnet die so genannte Payphone Access Charge dem ehemaligen Monopolisten die Möglichkeit, für die unter der Vorwahl 0800 angebotenen Dienste in Telefonzellen eine höhere Telefonmaut zu verrechnen. Und das dürfte die Gratisnummern verteuern.

Sturm gegen das neue Regelwerk

Das war nach der bisher gültigen Universaldienstverordnung nicht möglich, weil die TA für den unrentablen Betrieb - präzise Kalkulationen über die Belastungen aus dem Betrieb der Telefonhütteln bleibt die TA seit Jahren schuldig - Geld aus dem Universaldienstfonds bekam, in den alle großen Telekomnetzbetreiber einzahlen müssen. Die TA-Konkurrenten liefen am Freitag Sturm gegen das neue Regelwerk, das sie als "maßgeschneiderte Anlassgesetzgebung" bezeichnen.

Erpressbar

Was sie besonders stört: Die alternativen Netzbetreiber fühlen sich erpressbar, weil die TA die Erreichbarkeit von 0800-Nummern aus öffentlichen Fernsprechzellen künftig unterbinden kann, wenn sie sich mit ihrem Großkunden nicht auf ein Zusammenschaltungsentgelt einigen kann. Im Extremfall könnte es dann passieren, dass ausgerechnet ein Notrufdienst nicht mehr von einer Telefonzelle aus erreichbar ist, weil sich der Netzbetreiber weigert, den von der TA verlangten Tarif zu bezahlen. Für E-Tel-Chef Achim Kaspar ist klar: "Die Folge wird eine massive Verteuerung der Services sein."

Endkunde sei nicht betroffen

Die TA bestreitet das, der Endkunde sei nicht betroffen. Klar ist allerdings, dass die Preisspanne der TA-Konkurrenten kleiner wird. Im Infrastrukturministerium ist man mit der Verordnung, die Minister Hubert Gorbach ursprünglich ohne Begutachtung ausschicken wollte, offenbar auch nicht glücklich.

Die Sanierung der Telefonhütteln werde auch über die neue Gebühr nicht gelingen, heißt es. Um die neue Verordnung doch noch zu verhindern, wird in der Branche ein Kompromiss ventiliert: Der TA wird erlaubt, die Zahl der Telefonhütteln zu reduzieren.(Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe vom 29.7.2006)

  • Artikelbild
    foto: telekom austria/pflügl
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