Hofnarren

28. Juli 2006, 18:00
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Karriereberater und Coaches beschreiben die massive Veränderung des persönlichen Umfelds von erfolgreichen Aufsteigern

"Jeder Erfolg, den man erzielt, schafft uns einen Feind. Man muss mittelmäßig sein, wenn man beliebt sein will", sagt Oscar Wilde.

Karriereberater und Coaches beschreiben die massive Veränderung des persönlichen Umfelds von erfolgreichen Aufsteigern immer wieder als einen der härtesten Persönlichkeitstests. Plötzlich verändert sich die Umgebung. Die neue Funktion fordert einerseits ihren Tribut, andererseits beginnt die Kraft der Funktion zu wirken: Vertraute gehen auf Distanz oder werden aus zunehmendem Zeitmangel hintangereiht, genauso wie die Herzensfreunde, mit denen sich einfach nichts mehr ausgeht – lauter neue Verpflichtungen, Termine stehen im Weg.

Konkurrenz und Neid erhalten auch eine ganz neue Dimension. Dafür mutieren Geschäftspartner und entfernte Bekannte schnell zu hingebungsvollen Bewunderern und deklarieren sich als "beste Freunde".

Tatsächlich ist das für viele nicht unproblematisch: Wer Bewunderung und Ablehnung seiner Funktion mit seiner Person vermischt oder sogar verwechselt, findet sich immer schwerer zurecht, konstatieren die Experten. Man hebt im Extremfall ab oder stürzt in eine emotionale Krise. Spätestens beim ersten Signal vom Sinken des Sterns verstreuen sich die Heerscharen der Bewunderer nämlich schnell. Die Konkurrenten nützen das Oberwasser.

Was bietet sich als Prophylaxe an? Erstens: Abschied von der Sehnsucht, bei allen beliebt zu sein. Zweitens: Regelmäßige Schritte in die Distanz zur Funktion. Drittens: Ein Hofnarr als wohlwollender Begleiter, der auch gnadenlos den Spiegel vorhält. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe 29./30.7.2006)

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