Med-Uni Graz: Österreichische Studierende nicht "dümmer" als deutsche

20. Oktober 2006, 10:11
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Bei Reihungstests im Jänner schnitten heimische Bewerber besser ab - Bei Kennlern-Interviews im Juli weniger Deutsche

Graz - Österreichische Medizin-Studenten sind nicht "dümmer" als Studierende aus Deutschland - das zeigen zumindest die Erfahrungen an der Med-Uni Graz. Bei den Reihungstests der Hochschule im Jänner seien in Graz die Österreicher "eindeutig erfolgreicher" als ihre Kollegen gewesen, so Gilbert Reibnegger, Vizerektor für Studium und Forschung.

Quotenregelung

An den Medizinischen Unis in Wien und Innsbruck wären nach den reinen Ergebnissen des Eignungstests im Juli ohne die neue Quotenregelung nur 46 Prozent der Anfänger-Studienplätze im Herbst an Österreicher gegangen, obwohl rund 51 Prozent der Angetretenen aus Österreich stammten. Durch die Quote erhalten die Österreicher automatisch 75 Prozent der Anfänger-Studienplätze.

Virtuelles Semester

"In der Diskussion, ob österreichische Medizin-Studenten vielleicht dümmer sind als deutsche, können wir nach unseren Erfahrungen mit dem virtuellen Semester nur sagen: mitnichten", so Vizerektor Reibnegger im Gespräch mit der APA am Freitag. Nachdem im vergangenen Herbst ein virtuelles Studiensemester abgehalten wurde, waren im Jänner insgesamt 992 Studierende - 518 Deutsche und 427 Österreicher - zu den Reihungstests angetreten. Von den 100 Erstgereihten des Studiums Humanmedizin stammten 57 aus Österreich und nur 40 aus Deutschland sowie drei aus anderen Ländern.

Zweiter Abschnitt

Während in Wien und Innsbruck, wo zusammen 1.140 Anfänger-Studienplätze vergeben wurden, ab dem zweiten Abschnitt noch einmal 20 Prozent der Studenten aussortiert werden, begegnete man dem Problem der Überfüllung in Graz gleich durch eine beschränkte Aufnahmezahl von "neuen" Studienanfängern. So werden für die verfügbaren insgesamt 360 Studienplätze im kommenden Herbst nur 160 Anfänger aufgenommen.

Warteliste abbauen

Auf diese Weise wird die bestehende Warteliste stetig abgebaut - bis zum kommenden Herbst erwartet man sich an der Med-Uni, dass es keine mehr gibt. Eine Aussortierung während des Studiums sei nicht nötig: "Wer unser Aufnahmeverfahren besteht, von dem gehen wir aus, dass er auch halbwegs erfolgreich studieren wird. Dem legen wir nicht weitere Hürden in den Weg." Einzig die eigenen Leistungen seien ausschlaggebend.

Chancen für Anfänger

Nachdem in Jänner die Deutschen bei den Reihungstest in Graz in der Mehrzahl waren, waren zu den Kennlern-Interviews im Juli von den insgesamt 915 Bewerbern 545 Österreicher und nur 295 Deutsche gekommen. Das führte Reibnegger darauf zurück, dass sich die Studenten mehr Chancen in Wien und Innsbruck ausgerechnet haben, da diese generell mehr Anfänger aufnehmen. Die Studienplatz-Anwärter in Graz müssen sich am 1. September einem schriftlichen Multiple-Choice-Test unterziehen. (APA)

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