Serbiens Ultranationalisten: Kosovo notfalls bewaffnet verteidigen

28. Juli 2006, 17:51
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Nikolic will die Provinz aber "bis zuletzt auf diplomatischem Weg" verteidigen

Belgrad - Der serbische Ultranationalistenführer Tomislav Nikolic hat eine "bewaffnete Verteidigung" der seit sieben Jahren international verwalteten südserbischen Provinz Kosovo als Extremlösung nicht ausgeschlossen. Seine Serbische Radikale Partei (SRS) werde den Kosovo "bis zuletzt auf diplomatischem Weg" verteidigen, sei aber auch zum Gewaltkonflikt bereit, sollte dies nicht gelingen.

"Bereits gegen wesentlich stärkeren Feind verteidigt"

"Wir haben den Kosovo und Metohija (Metochien) bereits gegen einen wesentlich stärkeren Feind verteidigt. Wir werden ewig für seinen Verbleib in Serbien ringen", sagte Nikolic am Donnerstagabend dem staatlichen TV-Sender RTS gegenüber. Seine Partei ist 82 der 250 Abgeordneten die stärkste Kraft im serbischen Parlament, Umfragen zufolge wird sie diese Position bei Neuwahlen, die möglicherweise noch heuer stattfinden werden, weiter ausbauen können. Der reformorientierte serbische Präsident Boris Tadic hatte am Montag in Wien betont, Serbien werde keine Gewalt einsetzen, auch wenn dem Land eine Lösung der Kosovo-Statusfrage aufgezwungen werde.

Zu den UNO-geführten Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovo meinte der Ultranationalist, dass das Belgrader Verhandlerteam womöglich "in dieselbe Falle" wie einst der frühere jugoslawische Staatschef Slobodan Milosevic tappen werde. "Dies bedeutet, dass wir uns zu sehr auf die westliche Demokratie verlassen, die offensichtlich eine Art Unabhängigkeit für den Kosovo und Metohija vorbereitet", sagte der Ultranationalist. Für seine Partei seien die Standpunkte der Belgrader Verhandler akzeptabel - sie hatten dem Kosovo weitgehende Autonomie bis hin zur eigenständigen Mitgliedschaft in internationalen Organisationen angeboten, was laut Außenminister Vuk Draskovic einer "Unabhängigkeit des Kosovo innerhalb Serbiens" gleichkomme.

"Immer dreister"

Nikolic sagte dazu, er befürchte, dass die Gespräche über den künftigen Status des Kosovo nur eine "Einbahn" seien, da die kosovarischen Verhandler "immer dreister" würden. Am Montag war ein erstes Spitzentreffen von Vertretern Belgrads und Pristinas in Wien ohne erkennbare Annäherung verlaufen. Die kosovarische Seite forderte ebenso vehement und kompromisslos die Unabhängigkeit der Provinz wie die serbische Seite dies ablehnte. (APA)

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