Tirol: Bagger ohne Erlaubnis auf dem Gletscher

28. Juli 2006, 19:40
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Pitztal: Trotz negativen UVP-Bescheids "verordnet" die Gemeinde Baumaßnahmen

Innsbruck/St. Leonhard i. P. - Trotz eines negativen UVP-Bescheides der Tiroler Landesregierung für eine geplante Talabfahrt am Pitztaler Gletscher haben die Pitztaler Gletscherbahnen mit Bauarbeiten am Gletscher begonnen. Am Mittwoch war unmittelbar vor der Gletscherzunge des Mittelbergferners auf etwa 2600 Metern ein Bagger im Einsatz. Der Prokurist der Gletscherbahnen, Willi Krüger, bestätigt zudem Berichte von Ohrenzeugen, wonach auch Sprengungen durchgeführt wurden. "Aber in kleinerem Ausmaß", so Krüger zum Standard.

Die Gletscherbahnen stützen sich auf eine Verordnung der Gemeinde St. Leonhard im Pitztal, die am vergangenen Freitag trotz des negativen UVP-Bescheids die Bahnen verpflichtet hat, "unverzüglich"mit "Sicherheitsvorkehrungen", konkret mit dem Bau des "Sicherheitsweges"auf den Gletscher zu beginnen. Als "Sicherheitsweg"war die Talabfahrt erstmals vor sechs Jahren beantragt worden, zur Evakuierung der Skigäste im Falle eines Ausfalls der Stollenbahn "Pitzexpress".

Weitere Erschließung

Die UVP-Behörde sah aber eine sichere Notentleerung nicht garantiert, auch angesichts nicht beherrschbarer Naturrisiken im sehr steilen Gelände (große Lawinenstriche). Dass der "Sicherheitsweg"nicht für die Evakuierung gedacht wäre, sondern als fixe Abfahrt während der Saison, wird von Krüger bestätigt. "Gesperrt wäre nur, wenn es die Lawinenkommission anordnet". Vermutet wird, dass der "Weg"zudem als Bauweg dienen sollte, da am Pitztaler Gletscher großräumige Erschließung rund um den linken Fernerkogel sowie der Zusammenschluss mit dem Ötztaler Gletscherskigebiet geplant sind.

Naturschutzlandesrätin Anna Hosp (VP), die erst Mittwoch früh über Umwege im Urlaub - und angeblich nicht aus ihrem zuvor informierten Büro - von der Verordnung und dem Baubeginn erfahren haben soll, hat umgehend die Einstellung der Arbeiten gefordert. Nach einer Krisensitzung zwischen Vertretern des Landes, der Gemeinde und der Bahnen wurden die Arbeiten jetzt gestoppt, "bis die Landesregierung über die Rechtmäßigkeit der Verordnung entschieden hat", so Krüger.

Rupert Hosp, Bürgermeister von St. Leonhard, rechtfertigt den "einstimmigen"Gemeinderatsbeschluss damit, dass "bei uns niemand mit einem negativen UVP-Bescheid gerechnet hat". Das Land sei "den Pitztalern in den Rücken gefallen", trotz politischer Versprechungen vor der Wahl "durch den Landeshauptmann". Dieser weilt derzeit in New York. Nicht zu sprechen war auch der Geschäftsführer der Gletscherbahnen, der namhafte Innsbrucker Anwalt Hans Rubatscher, auch Aufsichtsratschef der Hypo-Bank Anteilsverwaltung. (Bendedikt Sauer, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Juli 2006)

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