Finanzminister binden China stärker ein

28. Juli 2006, 11:06
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Als Reaktion auf die wachsende Bedeutung der Volksrepublik als Wirtschaftsmacht sind halbjährliche Treffen geplant - USA drängen auf die Aufweichung des Yuan

Hamburg - Die sieben führenden Industrienationen (G-7) wollen China enger in ihre Finanz- und Wirtschaftsberatungen einbinden. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (Freitag) sollen Vertreter der Volksrepublik künftig regelmäßig zwei Mal pro Jahr an den Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der Siebenergruppe teilnehmen.

Die G-7 reagieren damit auf die immens gewachsene ökonomische Bedeutung Chinas. "Die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft - wie das hohe US-Handelsdefizit - können ohne China nicht mehr sinnvoll diskutiert werden", hieß es in G-7-Kreisen.

Insbesondere in den USA war den Informationen zufolge der Wunsch groß, das Land als wichtigen ökonomischen Akteur an den Tisch zu holen. Die Amerikaner wollen die Chinesen zu einer Aufwertung ihrer Währung bewegen, um so ihren Fehlbetrag im Außenhandel abzubauen.

Die stärkere Einbindung Pekings sei vergangene Woche bei einer Klausurtagung der so genannten G-7-Deputies, also der Finanzstaatssekretäre aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und den USA, in Hamburg beschlossen worden. Auch in der Vergangenheit war China schon wiederholt zu den Ministertreffen eingeladen worden - allerdings ad hoc und meist zusammen mit Vertretern anderer Schwellenländer.

Aufnahme nicht geplant

Mit der jetzigen Entscheidung wehrt die Siebenergruppe allerdings zugleich das Begehren Pekings ab, China formell in den G-7/G-8-Kreis aufzunehmen. "Die G-7 wird nicht erweitert", hieß es in den Kreisen. Allerdings könnte es über die Jahre doch zu einer De-facto-Mitgliedschaft der Volksrepublik kommen: Auch zu Beginn der Einbindung Russlands in den 90er Jahren hatte es geheißen, eine Mitgliedschaft des Landes komme nicht in Frage. Heute ist nur noch auf der Ebene der Finanzminister von der G-7 die Rede, bei den Staats- und Regierungschefs spricht man längst von der G-8. Russland hatte erst vorletzte Woche erstmals den G-8-Gipfel ausgerichtet.

Im kommenden Jahr wird der Gipfel unter deutschem Vorsitz im Ostseebad Heiligendamm stattfinden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat intern bereits angedeutet, dass sie das Treffen wieder stärker auf ökonomische Themen ausrichten will. In Regierungskreisen hieß es, man wolle "zurück zu den Wurzeln". Hintergrund ist, dass in den vergangenen Jahren zunehmend außenpolitische Themen wie der Irak- Krieg die Agenda bestimmt hatten. (APA/dpa)

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