Heizen heuer teurer - Brennstoffe schon jetzt gefragt

17. August 2006, 15:17
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Die Österreicher müssen sich auch im heurigen Winter auf höhere Heizkosten einstellen. Im Vorjahresvergleich sind derzeit alle Brennstoffe - von Heizöl bis Hackschnitzel - teurer

Wien - Bei den Lagerhäusern sind alle Heizmaterialien schon jetzt stärker nachgefragt. Die meisten österreichischen Haushalte heizen mit Öl und Gas. Laut Daten der Statistik Austria (Mikrozensus 2003) entfallen auf Gas 28,5 Prozent, gefolgt von Öl (28,2 Prozent), Fernwärme (16,2 Prozent), Holz (14,3 Prozent) und Strom (7,2 Prozent).

Die Nachfrage nach Heizöl ist derzeit moderat. Viele Konsumenten warten offenbar noch ab, ob Heizöl nicht doch noch billiger wird, sagt Rudolf Eigl, Obmann-Stellvertreter im Fachverband Energiehandel der Wirtschaftskammer Österreich. Ein Teil der Kunden sei aber auch der Ansicht, dass Abwarten nichts bringe und kaufe bereits jetzt. Es sei zu erwarten, dass die Nachfrage zum Herbst hin wie in den vergangenen Jahren anziehe. In Österreich werden pro Jahr rund 1,8 Millionen Tonnen Heizöl Extra Leicht und rund 500.000 Tonnen Heizöl verbraucht.

Anstieg um ein Fünftel

Der Preis für Heizöl ist seit Herbst vergangenen Jahres zwar relativ stabil, im Jahresabstand jedoch fast um ein Fünftel teurer geworden. Laut dem von der Österreichischen Energieagentur berechneten Energiepreisindex (EPI) kostete Heizöl im Juni 2006 um 19,3 Prozent mehr als im Juni 2005. Nach Angaben des Instituts für wirtschaftliche Ölheizung (iwo) kostete der Liter Heizöl Extra Leicht (bei einer Abnahme bis 3.000 Liter) am 24. Juli d.J. 71,308 Cent je Liter. Per 31. Oktober 2005 waren es den Angaben zufolge 68,628 Cent je Liter.

Mathias Reichard, Geschäftsführer des iwo, weist darauf hin, dass neben Energiesparmaßnahmen mit einem Austausch alter Heizkessel der Heizölverbrauch deutlich gesenkt werden kann. Rund 40 Prozent aller Ölkessel in Österreich seien für einen Austausch reif. Wenn die Ölheizung auf dem neuesten Stand der Technik sei, könne dies beim Verbrauch um bis zu 40 Prozent sparen helfen.

Massive Preissteigerungen

Erdgas war den Berechnungen der Energieagentur zufolge im Juni 2006 um 7,2 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Für die Haushalte in einigen Bundesländern wird das Heizen mit Gas teilweise massiv teurer. So wird in Vorarlberg Gas ab 1. Oktober um 18 Prozent teurer, in Kärnten um acht Prozent und in Oberösterreich um 7 bis 9 Prozent. Laut iwo kostet die Kilowattstunde Erdgas derzeit 5,4 Cent.

Die Energieregulierungsbehörde E-Control rät den Konsumenten, den billigsten Anbieter zu suchen. Der Verbrauch könnte durch Energiesparmaßnahmen sowie effiziente Heizanlagen gesenkt werden. Fernwärme war laut Energieagentur heuer im Juni um 7,1 Prozent teuerer als im Juni vergangenen Jahres und Strom um 4,7 Prozent.

Pellets immer beliebter

Immer beliebter wird bei den Österreichern das Heizen mit Pellets, aber auch hier hat der Preis in den vergangenen Monaten auf Grund der deutlich höheren Nachfrage angezogen. Eine Tonne Pellets kostet nun 228 Euro oder 4,76 Cent je kWh, Tendenz steigend. Vor ein paar Monaten war die Tonne Pellets noch um 170 Euro zu haben.

Heizöl mit einem Preis von rund 7 Cent pro kWh ist laut Biomasseverband damit um ein Drittel teurer als Pellets. Der Biomasseverband rät daher Besitzern von Pellets-Kesselanlagen, sich rechtzeitig vor dem Winter einzudecken. So bliebe noch ausreichend Zeit für die Pellets-Industrie bzw. für die Forstwirtschaft, auf die wachsende Nachfrage zu reagieren.

Für einen durchschnittlichen Einfamilienhaushalt mit 180 m2 Wohnnutzfläche und einem jährlichen Energieverbrauch von 100 kWh/m2 (also einem Nutzwärmeverbrauch von 18.000 kWh) bedeutet die Differenz zwischen dem Pellets- und Heizölpreis unter Berücksichtigung der Abfüllpauschalen sowie des Jahresnutzungsgrades des Heizkessels etwa 470 Euro, so der Biomasseverband.

Preiserhöhungen ab dem Vorjahr

Zwischen 2002 und 2005 sind die Pelletspreise kontinuierlich gesunken, erst seit dem Vorjahr geht es wieder bergauf, wobei der Durchschnitt von 2006 etwa das Niveau des Jahres 2001 erreicht hat. Im Gegensatz dazu sind die Heizölkosten in den letzten Jahren um über 60 Prozent gestiegen, so der Biomasseverband.

Der Grund für die höheren Pelletspreise liegt in der gestiegenen privaten Nachfrage. Von 2004 auf 2005 explodierte die Zahl der verkauften Pellets-Kesselanlagen in Österreich um 46 Prozent. Gleichzeitig zahlen ausländische Abnehmer, etwa in Italien, um die Hälfte mehr für den Rohstoff Holz. Denn dort kostet das Heizöl gleich viel wie Diesel. Ein weiterer Antrieb für höhere Preise sei der Bau zahlreicher Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen (Strom- und Wärmeerzeugung) sowie Biomasse-Feuerungsanlagen, die sehr viel Rohstoff brauchen. In Österreich werden heuer 560.000 Tonnen Pellets produziert, 420.000 werden in Österreich benötigt.

Etwas teurer geworden ist auch Brennholz. Derzeit liegt der Preis pro Kilowattstunde bei 2,9 Cent, nach 2,7 Cent im Vorjahr. Experten gehen davon aus, dass mit den steigenden Preisen für fossile Energien auch im heurigen Winter die Nachfrage nach Brennholz wieder hoch sein wird.

Knappheit bei Holzvorräten möglich

Knapp könnte jedoch nicht Holz an sich werden - nach wie vor wächst in Österreich mehr Holz in den Wäldern nach als geschlägert wird -, sondern das vorbereitete getrocknete Brennholz, betonen die Forstwirte: Um Brennholz von guter Qualität herzustellen, benötige man zumindest ein Jahr für die Trocknung.

Nach wie vor am günstigsten ist es, mit Waldhackgut (Hackschnitzel) zu heizen. Im Vergleich zum Vorjahr sind aber auch die Hackschnitzel deutlich teurer geworden: Der Preis liegt derzeit bei 2,5 Cent pro Kilowattstunde, nach 1,5 Cent in der vergangenen Heizperiode.

Österreich ist mit 47 Prozent Waldanteil an seiner Fläche im Überfluss mit Holz gesegnet. Österreich ist damit nach Slowenien das am dichtesten bewaldete Land in Mitteleuropa. Mit einer Waldfläche von 3,9 Mill. Hektar ist knapp die Hälfte des Bundesgebietes mit Wald bedeckt. Jährlich wachsen mehr als 31 Mill. Festmeter Holz nach, von denen nur knapp 19 Mio. Festmeter genutzt werden. Davon werden etwa 20 Prozent fürs Heizen verwendet. (APA)

  • Die Preise für alle Heizmittel sind im Jahresvergleich gestiegen.
    foto: standard/matthias cremer

    Die Preise für alle Heizmittel sind im Jahresvergleich gestiegen.

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