Pressestimmen: "Krieg an zwei Fronten"

29. Juli 2006, 22:59
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Le Figaro: Iran-Atomstreit und Krieg Israel-Hisbollah verknüpft

London/Mailand/Paris - Internationale Tageszeitungen beschäftigen sich am Freitag weiterhin intensiv mit dem Libanon-Krieg.

"The Daily Telegraph" (London):

"Die Entwaffnung einer der weltweit gefährlichsten Terroristengruppen ist eine gewaltige Aufgabe. Verordnet wurde sie nicht nur durch die UNO-Sicherheitsratsresolution 1559 von 2004, sondern auch durch die älteren Taif-Vereinbarungen von 1989, die dem Bürgerkrieg im Libanon ein Ende setzten. Die Israelis bereiten nun den Grund für deren längst überfällige Verwirklichung. Der Rest der Welt muss beweisen, dass er bereit dazu ist, dies zu vollenden. Dies bedeutet, dass für (den britischen Premierminister) Tony Blair und (Außenministerin Margaret) Beckett der Libanon auch dann noch ganz oben auf der Tagesordnung stehen wird, wenn sie aus dem Urlaub zurückkehren."

"Corriere della Sera" (Mailand):

"Die Führung von Al Kaida mag keine Rivalen, und sie ist sich bewusst geworden, dass es da eine große Gefahr gibt: Die libanesischen Kämpfer stehlen Al Kaida die Show. Die Hisbollah schaffen es nicht nur, dem israelischen Militär die Stirn zu bieten, sondern sie schaffen es auch, israelische Städte zu bombardieren. Die Hisbollah werden als einziger Schutzschild gegen die "Kreuzfahrer und Zionisten" angesehen. Und (...) der geschickte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah wird schon mit (dem früheren ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel) Nasser verglichen. Da war es wohl nötig, dass Al Kaida eingreift, damit die Organisation nicht von den Ereignissen überholt wird."

"The Times" (London):

"Olmert wird sich bewusst sein, dass Israel einen Krieg an zwei Fronten kämpft - zum einen der Feldzug gegen die Hisbollah im Libanon, zum anderen die größere Schlacht um die internationale Meinung. Die Ergebnisse sind bislang sehr unterschiedlich. Israel kann auf einige militärische Fortschritte verweisen. Andererseits wird es im Ausland - oft unfair - als rücksichtsloser Angreifer dargestellt. Olmert befindet sich in einem Kampf gegen fanatische Terroristen und nicht in einem PR-Unternehmen. Zu Hause hat er eine mächtige politische Unterstützung für sein Vorgehen. Wenn es harte Beweise gibt, dass die Angriffe auf die Städte im Libanon Nutzen bringen, kann es ihm fast egal sein, wie er auf Außenstehende wirkt - und diese Einschätzung könnte durchaus gerechtfertigt sein."

"Le Figaro" (Paris)

"Jeder tut so, als wären die Kontroverse um das iranische Atomprogramm und der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah zwei voneinander getrennte Dinge. Alle wissen aber, dass sie miteinander verknüpft sind, dass sie dies immer mehr sein werden und dass die eine Krise nicht ohne Fortschritt in der anderen bewältigt werden wird. Diese Tatsache einzugestehen wäre eine erster Schritt zu mehr Klarheit. (...). Dass die Hisbollah im Libanon wie die Hamas in Palästina über einen unabhängigen Aktions- und Entscheidungsradius in Bezug auf Teheran verfügt, nimmt dem Iran nichts von seiner Entschlossenheit, sich als ein Hauptakteur der muslimischen Welt und damit des Konflikts mit Israel anerkannt sehen zu wollen."

"Le Monde" (Paris):

"Allein ein Waffenstillstand kann verhindern, dass der Libanon versinkt und dass dieser Krieg in seiner Eigendynamik gefangen bleibt, also unkontrollierbar wird. Es ist leicht, einen Krieg zu beginnen, schwieriger ist es aber, ihn zu stoppen. Da Hisbollah und Israel sich in ihren kriegerischen Aktivitäten gegenseitig überbieten, kann nur die internationale Gemeinschaft einen Ausweg aus der Krise finden. In Rom ist die internationale Gemeinschaft gescheitert. Unabhängig von der Unterstützungen dieses oder jenes Landes für diese oder jene Kriegspartei muss sie allerdings nun schnellstens das Gespür für das wiederfinden, was ihre Pflicht ist, dem libanesischen Premierminister Fouad Siniora zuhören und den Aufschrei der Libanesen wahrnehmen. Die internationale Gemeinschaft muss also laut und deutlich sagen, dass der Libanon nicht allein ist. Und dann entsprechend handeln, also eine Waffenruhe auferlegen, die eine unabdingbare Voraussetzung für jede politische Lösung ist." (APA/dpa)

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