Erneut Luftangriff auf UNO-Posten: Zwei indische Soldaten verletzt

30. Juli 2006, 09:27
587 Postings

Israels Armee zieht sich aus Hisbollah-Hochburg zurück - UNO-Bitte um Feuerpause abgelehnt - IKRK-Schiff mit Nothilfe erreicht Beirut - Raketen schlagen südlich von Haifa ein

Tyrus/Jerusalem - Zwei Soldaten der UN-Friedenstruppe Unifil im Südlibanon sind am Samstag bei einem israelischen Luftangriff verletzt worden. Die beiden Inder seien in ein Krankenhaus gebracht worden, sagte der Sprecher der UN-Friedenstruppe Unifil, Milos Strugar, am Samstag. Ihr Beobachtungsposten sei bei dem Angriff beschädigt worden. Die Unifil überwacht seit 1978 die libanesisch-israelische Grenze.

UNO-Bitte um Feuerpause abgelehnt

Zuvor hatte Israel eine von den Vereinten Nationen geforderte dreitägige Feuerpause im Libanon abgelehnt. Eine solche Waffenruhe für Hilfsgütertransporte und die Evakuierung von Zivilisten sei nicht notwendig, weil Israel zu diesem Zweck bereits "humanitäre Korridore" eingerichtet habe, sagte Regierungssprecher Avi Pazner am Samstag in Jerusalem. "Das Problem ist ein völlig anderes. Die Hisbollah verhindert absichtlich die Verteilung von medizinischer Hilfe und Lebensmitteln an die Bevölkerung im Südlibanon", sagte Pazner. Auf diese Weise wolle die schiitische Miliz eine humanitäre Krise herbeiführen, für die Israel verantwortlich gemacht werden solle.

Kurz vor der Ankunft der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice im Nahen Osten hat Israel den Ruf des UNO-Nothilfekoordinators Jan Egeland nach einer "humanitären Waffenpause" zurückgewiesen. Für die Versorgung der Zivilisten im Libanon seien bereits Korridore eingerichtet worden, sagte auch der israelische Regierungssprecher Gideon Meir am Samstag. Die Hisbollah-Miliz aber werde eine Kampfpause nutzen, um ihre Vorräte an Waffen und Munition zu erneuern.

Eine 72-stündige Kampfpause sei dringend notwendig, um Verwundete, Kinder und alte Menschen aus den umkämpften Gebieten zu holen, hatte Egeland am Freitag vor dem Weltsicherheitsrat in New York erklärt. Darüber hinaus müssten Krankenhäuser mit neuen Medikamenten und anderen Vorräten ausgestattet werden. Bisher seien schätzungsweise mehr als 600 Menschen im Libanon ums Leben gekommen, rund ein Drittel von ihnen Kinder.

Armee zieht sich aus Hisbollah-Hochburg zurück

Die israelische Armee hat am Samstag nach tagelangen Gefechten ihren Rückzug aus der südlibanesischen Schiiten-Hochburg Bint Jbeil begonnen. Der vor mehreren Tagen begonnene Einsatz gegen die Hisbollah-Miliz sei aber nicht beendet, betonte ein Militärvertreter in Tel Aviv. Bei den Kämpfen hatte die Armee die bisher höchsten Verluste erlitten. Israelische Regierungspolitiker hatten danach gefordert, die Luftwaffe solle Hisbollah-Dörfer zunächst sturmreif schießen, bevor Bodentruppen zum Einsatz kämen.

Israel bombardiert Straße an libanesisch-syrischer Grenze

Die israelische Luftwaffe hat am Samstag die wichtigste Straße zwischen dem Libanon und der syrischen Hauptstadt Damaskus bombardiert. Bei den Angriffen nur einen Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt sei die Fahrspuren in beiden Richtungen unterbrochen worden, hieß es bei Augenzeugen und in Kreisen der Sicherheitskräfte übereinstimmend. Insgesamt habe es drei Angriffe gegeben. Über mögliche Opfer gab es zunächst keine Angaben.

Polizei: In Syrien gebaute Rakete abgefeuert

Die libanesische Hisbollah-Miliz hat nach israelischen Angaben am Freitag eine in Syrien gebaute Rakete auf die nordisraelische Stadt Afula abgefeuert. Es handle sich um eine Rakete nach dem Modell der iranischen Fajr-5, sagte der Sprengstoffexperte der israelischen Polizei, Jehuda Perez, am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. "Unseres Wissens handelt es sich um eine in Syrien hergestellte Rakete", sagte Perez.

Die Hisbollah hatte am Freitag insgesamt fünf Raketen auf Afula gefeuert. Die Armee hatte zunächst von einem Geschoss unbekannter Bauart gesprochen. In israelischen Medien war von einem iranischen Fabrikat die Rede gewesen. Bei dem Beschuss war niemand verletzt worden. Die Raketen schlugen auf freiem Feld ein.

Afula ist etwa fünfzig Kilometer von der libanesisch-israelischen Grenze entfernt und liegt südlicher als Haifa. Haifa war bisher eines der Hauptziele der Katjuscha-Raketen der Hisbollah.

Israels Luftwaffe greift über fünfzig Ziele im Libanon an

Die israelische Luftwaffe hatte indessen am frühen Samstagmorgen erneut über fünfzig Ziele im Libanon angegriffen. Am 18. Tag der israelischen Offensive wurden nach Angaben eines Armeesprechers 37 Gebäude und Einrichtungen der schiitischen Miliz Hisbollah attackiert.

Die Kämpfe um den libanesischen Grenzort Bint Jbeil dauerten unterdessen an. Die Schiiten-Hochburg wird immer noch nicht gänzlich von den Israelis kontrolliert. Sechs israelische Soldaten wurden leicht verletzt. Es gab keine Berichte über einen Raketenbeschuss Nordisraels durch die Hisbollah. Diese hatte am Freitag noch einmal rund hundert Raketen auf israelischen Territorium abgefeuert.

Israelische Armee fordert Libanesen zum Verlassen des Südens auf

Am Freitag hat die israelische Armee die Zivilbevölkerung im Süden des Libanon erneut zum Verlassen ihrer Häuser und der Flucht nach Norden aufgefordert. Über lokale Medien sei die Bevölkerung vor Militäreinsätzen gegen die Schiitenmiliz Hisbollah gewarnt worden, teilte die Armee am Freitag in Tel Aviv mit. Die Frist sei am Freitag abgelaufen.

"Jeder Fahrer, der nach 10.00 Uhr in diesem Gebiet unterwegs ist, und jede Person, die diese Warnung nicht befolgt, riskieren ihre Sicherheit und die ihrer Familien", hieß es in der Mitteilung. Die Armee wolle das Risiko für Zivilisten gering halten.

Verhandlungen über entführte Soldaten

Nach einem arabischen Zeitungsbericht begannen indessen Bemühungen unter Einschluss deutscher Vermittler, um den Austausch der zwei in den Libanon entführten israelischen Soldaten zu erreichen. Wie die in London erscheinende Tageszeitung "Al-Hayat" am Freitag unter Berufung auf libanesische Regierungskreise berichtete, befindet sich die Initiative noch "in ihrem Anfangsstadium". Die Verschleppung der zwei Soldaten durch die Hisbollah-Miliz hatte am 12. Juli den jüngsten Libanon-Konflikt ausgelöst.

IKRK-Schiff mit Nothilfe erreicht Beirut

Ein vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gechartertes Schiff mit 200.000 Rationen an Lebensmitteln und Material ist am Samstagnachmittag in Beirut angekommen. Die Fracht soll im Süden Libanons verteilt werden. Die Schiffsladung habe aus Lebensmitteln, Zelten, Decken, Matratzen, Küchenutensilien, Hygiene-Kits und logistischer Ausrüstung für das IKRK-Team vor Ort bestanden, sagte IKRK-Sprecherin Carla Haddad der Schweizer Nachrichtenagentur SDA am Samstagabend.

Die Hälfte der Nothilfe sei für Vertriebene bestimmt, die in der libanesischen Hauptstadt Beirut gestrandet seien. Der Rest soll in den Süden des Landes gebracht werden. Dort, in Tyrus, ist laut dem IKRK am Nachmittag ein Konvoi auf dem Landweg angekommen - mit 960 Lebensmittel-Paketen.

Hilfsgüter für Binnenflüchtlinge

Auch das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) konnte am Samstag erste Hilfsgüter für Binnenflüchtlinge in den Libanon bringen. Wie UNHCR-Sprecher Roland Schönbauer der APA mitteilte, passierte ein aus sieben Lkw bestehender Konvoi mit insgesamt 140 Tonnen Hilfsgütern - hauptsächlich Matratzen, Decken, Wasserkanister und Küchensets - den syrisch-libanesischen Grenzübergang Arida. Die Hilfslieferungen sind für Gemeinden in der Umgebung von Beirut bestimmt, die Flüchtlinge aufgenommen haben. Nach UNHCR-Informationen teilen sich dort drei Familien einen Raum und 75 Personen ein WC. Die Zahl der Binnenflüchtlinge seit Beginn der israelischen Militäroffensive wird auf 700.000 bis 800.000 geschätzt. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kriegsschiffe vor Beirut.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Israelische Soldaten umstellen ein Haus in Maroun al-Ras.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein UN-Einsatzwagen an der Libanesisch-Israelischen Grenze.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Mann geht durch die Überreste eines Wohnhauses in Tyre.

Share if you care.