Letzte Chance für Napster?

20. Juni 2000, 15:56

Ein Urteil aus den frühen Achtzigern könnte der MP3-Tauschbörse helfen

Ein Urteil aus dem Jahre 1983 könnte der an den Pranger gestellten MP3-Tauschbörse Napster helfen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Im so genannten Betamax-Fall hatte damals ein Gericht entschieden, dass die Einführung eines Kopierformats nicht illegal ist, wenn es andere legale Anwendungsmöglichkeiten dafür gibt. Damals machte das Betamax-Format es möglich, Filme für den privaten Gebrauch zu kopieren.

Wie die Online-Ausgabe von Wired schreibt, könnte hier die Chance für Napster liegen, alle Anklagen abzuschmettern. Dann nämlich, wenn Napster nachweisen kann, dass seine Tauschbörse auch legale Nutzungsmöglichkeiten bietet - etwa die Veröffentlichung freier, nicht urheberrechtlich geschützter MP3-Stücke.

Es dürfte auch kein Zufall sein, dass das Unternehmen ausgerechnet jetzt ein Programm startet, das freien Musikern die Möglichkeit geben soll, mit Hilfe von Napster ihre Musik in die Öffentlichkeit zu bringen. "Meldet euch an bei Napster, und eure Musik wird für die größte Community von Musikliebhabern verfügbar sein", ermuntert Napster die musikalischen Nobodys auf seiner Website. Damit will Napster demonstrieren, dass seine Technik nicht nur darauf ausgerichtet ist, MP3-Dateien illegal im Netz zu verteilen.

Berichten des News-Diensts CNet zufolge hat Napster bereits einen Promotion- und Marketing-Vertrag mit dem unabhängigen Rap-Label "75 Ark Entertainment" abgeschlossen. Danach will der Online-Musikanbieter in Zukunft kostenlose Downloads von bisher unveröffentlichten Titeln der Plattenfirma ins Netz stellen. Hierzu ein Rapper der Gruppe "The Coup": "So stellen wir uns das Internet vor - Leute können ihre Musik kostenlos verteilen, und die Künstler, die keinen Zugang zu den kommerziellen Radios und MTV haben, können dennoch mit ihrer Musik Millionen von Menschen erreichen."

Die RIAA (Recording Industry Association of America), in der alle großen US-Plattenfirmen vereint sind, sieht in diesem Vorstoß nur einen Trick, um von den schlechten Schlagzeilen wegzukommen. Napster weist diesen Vorwurf mit dem Hinweis zurück, dass sich seit dem Start der Aktion Ende Mai rund 14.000 Künstler für das neue Napster-Programm angemeldet hätten.

Sein Kerngeschäft will Napster allerdings auf keinen Fall aufgeben: "Das ist nur ein Aspekt, unser Hauptgeschäft bleibt der Austausch von Dateien unter unseren Nutzern." (PC-WELT)

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