Mit Asphaltfräse gegen den Design-Belag

30. Juli 2006, 20:20
2 Postings

„Flughafenflair“ vor dem Festspielhaus - Einzig wirksames Putzmittel wegen starken Orangendufts unbrauchbar

Salzburg – Es hilft alles nichts, das Defilee der Festspielbesucher in der Hofstallgasse wird diesen Sommer weiterhin auf dem von Brems- und Reifenspuren gezeichneten schadhaften Designer-Belag vor den Festspielhäusern erfolgen. Inzwischen hat das derzeit vermutlich prominenteste Straßenstück Österreichs auch noch die Farbe gewechselt; der anfänglich honiggoldene Spezialasphalt präsentiert sich jetzt als schmutzig-gelbe „Flughafenrollbahn“, auf der sich Pkws und vor allem mutwillig bremsende Radfahrer „verewigt“ haben.

Orangenduft

Dabei habe man sogar eine Methode gefunden, mit welcher der desolate Splitt-Mastix-Belag vom Gummiabrieb befreit werden könnte, berichtet ein Sprecher des ressortzuständigen Baustadtrates Martin Panosch (SP). Die Reinigungsmethode habe zwar grundsätzlich funktioniert, hatte aber einen wesentlichen Nachteil: Das verwendete Orangenöl entwickelte eine derart intensive Duftnote, dass der Geruch über die Lüftung in die Festspielhäuser gelangte und dort die Probentätigkeit beeinträchtigte. Letztlich hätte man daraufhin alle Putzversuche einstellen müssen.

Was mit dem Designer-Asphalt geschehen soll, werde nach Ende der Festspielsaison entschieden, heißt es im Büro von Panosch. Wahrscheinlich müsse man „die obersten drei bis vier Zentimeter abfräsen“ und einen neuen Belag auftragen. Ob man einen zweiten Versuch mit dem goldenen Designer-Belag startet oder auf ein konventionelleres Produkt zurückgreift, werde erst im Herbst entschieden.

"Gewährleistungskette"

Welche Variante letztlich auch herauskommen mag, „die Sanierung wird den Steuerzahler nichts kosten“, verspricht man vonseiten der Stadt. Die ausführenden Firmen hätten jenes Gutachten „voll akzeptiert“, nach dem das Bindemittel, welches die Körner in der obersten Schicht umhüllt, fehlerhaft sei: „Das Bindemittel wird zu schnell weich. Dadurch wird die Oberfläche klebrig und der Abrieb extrem sichtbar.“ Bei tiefen Temperaturen werde der Spezialbelag zudem brüchig. Was folgt, sei „eine Gewährleistungskette“ von der Baufirma über die Asphaltmischwerke bis zum Lieferanten des Bindemittels.

Insgesamt hat die Neugestaltung der Hofstallgasse knapp eine Million Euro gekostet. Die Mehrkosten für den Designer-Asphalt werden vom Büro des Baustadtrates mit 50.000 Euro angegeben, alle anderen Baumaßnahmen – etwa für den Straßenunterbau – wären bei einer konventionellen Asphaltierung ebenfalls angefallen, verteidigt man die hohen Kosten. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 28.07.2006)

Share if you care.