Verzicht auf die große Offensive

28. Juli 2006, 07:24
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Keine Entsendung massiver Bodentruppen geplant - Kein Strategiewechsel Israels nach Verlusten

Auch nach dem Tod von neun israelischen Soldaten im Südlibanon will Israel im Kampf gegen die Hisbollah-Miliz offenbar an seiner bisherigen Militärstrategie festhalten. Das Sicherheitskabinett von Premierminister Ehud Olmert habe entschieden, die begrenzten Bodenoperationen und die Luftangriffe fortzusetzen, verlautete aus politischen Kreisen am Donnerstag. Die Entsendung massiver Bodentruppen in den Libanon sei nicht geplant.

Die israelischen Soldaten waren am Mittwoch bei Gefechten mit Hisbollah-Kämpfern im Libanon getötet worden. Es war der höchste Verlust für Israel an einem Tag seit Beginn der Offensive vor gut zwei Wochen. In israelischen Armeekreisen hieß es, binnen 24 Stunden seien im Südlibanon dutzende Hisbollah-Kämpfer getötet worden.

Schauplatz der Kämpfe waren vor allem die Ortschaften Bint-Jebeil und Marun al-Ras gewesen. Zugleich setzte Israel am Donnerstag die Bombardements mutmaßlicher Hisbollah-Einrichtungen vor allem im Süden des Libanon unvermindert fort. Im Norden Beiruts wurden Funkmasten getroffen.

"Kein Freifahrtschein"

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat die israelische Interpretation zurückgewiesen, das Ergebnis der Nahost-Konferenz in Rom vom Vortag sei ein "Freifahrtschein"für die Fortsetzung der israelischen Libanon-Offensive. Wenn der israelische Justizminister Haim Ramon dies so ausgelegt habe, dann "wäre das ein großes Missverständnis". "Ich sage ganz im Gegenteil, gestern in Rom ist deutlich geworden, dass alle Beteiligten ein schnellstmögliches Ende der Kampfhandlungen wollen", erklärte Steinmeier.

Die Konferenz in Rom sei kein Fehlschlag, sondern "wichtig und nützlich"gewesen, lautete auch die Botschaft von EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner und dem finnischen Außenminister und derzeitigen EU-Ratspräsidenten Erkki Tuomioja. Die EU unterstütze das "Paket"von UN-Generalsekretär Kofi Annan und seinen Vorschlag einer "Stabilisierungstruppe", meinten die beiden Emissäre, die am Donnerstag zu einer hastig organisierten Nahosttour eintrafen.

"Aber es ist zuerst einmal notwendig, dass ein Mandat von den Vereinten Nationen ausgearbeitet wird", sagte Ferrero-Waldner zum Standard, "daran wird ab heute gearbeitet". Die libanesische Regierung, nicht die Hisbollah sei dabei "der Partner, der hier angesprochen ist". (seg/DER STANDARD, Printausgabe, 28. Juli 2006)

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