Duden im Visier ministerieller Reformer

27. Juli 2006, 18:06
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Zehetmair moniert Variantenempfehlung der neuen Ausgabe: "Unterlaufen"

Berlin - Der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair, wirft dem Duden-Verlag vor, die Ratsbeschlüsse in der neuen Ausgabe des Wörterbuchs bewusst zu unterlaufen. Der Verlag sei in allen Sitzungen des Rates vertreten gewesen und habe die Beschlüsse fast ausnahmslos mitgetragen, sagte Zehetmair der "Welt": "Nun stelle ich fest, dass einige Neuregelungen des Rates, insbesondere im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung, durch die Variantenempfehlung unterlaufen werden." Dafür fehle ihm jegliches Verständnis.

Er habe den Eindruck, "dass der Duden-Verlag den Versuch unternimmt, sich bewusst abzusetzen, um seinen Monopolanspruch geltend zu machen", wird Zehetmair zitiert. Dies sei aber ein "kurzsichtiges Unterfangen". So seien das Wahrig-Wörterbuch und das amtliche österreichische Wörterbuch den Beschlüssen des Rechtschreibrates konsequent gefolgt. "Hier einen Kampf zu eröffnen, macht keinen Sinn. Wir brauchen endlich Ruhe an der Rechtschreibfront!", forderte Zehetmair.

In den kommenden Tagen erhielten die Kultusminister eine "kompakte Zusammenstellung", die die vom Rat empfohlenen und von der Kultusministerkonferenz beschlossenen Änderungen enthalte, kündigte der Ratsvorsitzende an: "Dieses 16-seitige Werk werden wir jetzt den Kultusministern zukommen lassen, die es dann an die Lehrer weiterleiten sollen." (APA/AP)

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