Petritsch: "Wiederaufnahme der EU-Gespräche mit Serbien sinnvoll"

27. Juli 2006, 14:33
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UNO-Botschafter: "Wenn Aktionsplan mit Leben erfüllt wird" - Mladic-Steckbrief als "Versuch, Verhandlungen wieder in Gang zu bringen"

Wien - Sollte Serbien seinen Aktionsplan zur Festnahme des früheren Militärchefs der bosnischen Serben, Ratko Mladic, "mit Leben erfüllen", sei es sinnvoll, wieder Verhandlungen über ein EU-Assoziations- und Stabilisierungsabkommen aufzunehmen. Dies erklärte der österreichische UNO-Botschafter in Genf, Wolfgang Petritsch, am Donnerstag in einem Interview mit dem Ö1-Mittagsjournal des ORF-Radios. Auch die Ankündigung Belgrads, dass ein Steckbrief für Mladic ausgestellt werde, sei als Versuch zu sehen, die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen.

Mit diesem Schritt seien nun rechtliche und rechtsstaatliche Voraussetzungen geschaffen worden, analysierte Petritsch, der im Lauf seiner Karriere auch österreichischer Botschafter in Belgrad, EU-Beauftragter für das Kosovo und Hoher Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina gewesen war. Das könne nur daraus hinauslaufen, dass nach der Oktober-Revolte von 2000, die keinen Bruch gebracht habe, nun neu begonnen werde.

Fortschritte zu erwarten

Der serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica sei zwar bekannt, dass er das formal Rechtliche betone, schränkte Petritsch ein, dennoch seien Fortschritte zu erwarten. "In der Tat wird man in Belgrad versuchen, den Bürgern Schritt für Schritt näher zu bringen, dass eine Festnahme Mladics zur Erfüllung der Europa-Standards unumgänglich ist."

Mit einer raschen Festnahme von Mladic sei aber dennoch nicht zu rechnen: "Es gibt ja bereits einen Haftbefehl und Steckbrief in Bosnien-Herzegowina, wo er seine Verbrechen verübt hat." Mladic und der frühere Zivilchef der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, wurden vor elf Jahren vom UNO-Tribunal des Völkermordes und anderer Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina angeklagt. Beide sind weiterhin flüchtig. (APA)

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