Was der Steilhang hergibt

2. August 2006, 16:37
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Ein junger Winzer aus Südtirol ist der neue Weißwein-Star Italiens. Auf extremen Hanglagen im nördlichsten Teil des Weinbaugebiets Eisacktal gedeihen Andreas Hubers Ausnahmegewächse

Seit die italienische Weinbibel Gambero Rosso in der aktuellen Ausgabe gleich 14 Betriebe aus dem Eisacktal mit durchweg hohen Bewertungen aufnahm, darf das nördlichste Weinbaugebiet Italiens sich quasi offiziell als beste Weißweinregion Italiens gefallen - noch vor dem Friaul, das zwar insgesamt mehr Auszeichnungen abräumte, wo aber auch ein Zigfaches mehr eingereicht wurde.

Für die größte Überraschung freilich sorgte der bislang völlig unbekannte Andreas Huber, der aus dem Stand zum "Senkrechtstarter des Jahres" gekürt wurde und für seinen Riesling gleich die Topbewertung "tre bicchieri" abholen konnte. Gerade zwei Autobahnabfahrten hinterm Brenner steht sein mächtiger Hof aus dem 11. Jahrhundert, wo er großartige Weine in dezidiert "österreichischem Stil" keltert.

Einst wurde der Wein am Pacherhof in Neustift, hoch über Brixen, hauptsächlich für die hauseigene Wirtschaft und als Souvenir für die Hausgäste gekeltert. Seit wenigen Jahren aber, konkret seit der nun 31jährige Jungbauer Andreas Huber den Familienbetrieb übernommen hat, wurde das Potenzial der steilen Lagen erkannt, neu ausgepflanzt und zugekauft und die Qualität ganz enorm in die Höhe geschraubt.

Zwar war schon Vater Josef einer der ganz wenigen im Tal, der den Wein selbst eingekellert hat, während die Nachbarn ihre Trauben allesamt bei der Genossenschaft ablieferten. Dennoch fungierte auch bei Hubers der Wein lediglich als Nebenprodukt - wie meist im Eisacktal waren Obstbau und Feriengäste lange die eigentlichen Einnahmequellen.

Dann aber ging Andreas Huber auf die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim (Franken), wo mit Müller-Thurgau, Silvaner und Kerner (einer widerstandsfähigen Kreuzung aus Trollinger und Riesling) dieselben weißen Rebsorten wie im Eisacktal vorherrschen.

"Ich war begeistert von der Entwicklung, die der österreichische Wein seit 1985 genommen hat, wie da aus vielen Regionen, wo man sich's bei Gott nicht erwartet hätte, plötzlich ganz tolle Weine aufgetaucht sind", erzählt Huber, ein 1,93-Meter-Mann mit blondem Schnurrbart, sanfter Stimme und betont bescheidenem Auftreten, "da hat's mich gereizt, einmal zu schauen, ob so etwas Ähnliches bei uns nicht auch möglich wäre".

Die natürlichen Bedingungen mit viel Sonnenschein, sandig-schottrigen und schieferhaltigen Böden und, bei bis zu 800 Meter Seehöhe, markanten Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, deuteten darauf hin. Nach Abschluss der Weinbauschule ging Huber deshalb daran, die Apfelbäume in Lagen mit Weinbau-Potenzial zu roden und neue Reben auszupflanzen - auch Riesling, der bislang nur in Ausnahmefällen so hoch oben gedieh.

Mit dem Riesling gelang dem großen Bewunderer von F.X. Pichler, Hirtzberger und Knoll ("das sind die echten Koryphäen") jetzt auch prompt der große Coup. Die neu ausgepflanzten und erst seit zwei Jahren ertragfähigen Reben haben einen wunderbar stoffigen Wein von hoher Eleganz erbracht, feinfruchtig nach Zitrus und Wiesenkräutern duftend, würzig und mineralisch, mit exemplarisch nachhaltigem Abgang.

Hubers zweites absolutes Spitzengewächs ist der Sylvaner "Alte Reben", ein elegant fruchtiger Wein mit schön eingebundener Säure, der je zur Hälfte im Stahltank und im großen Holzfass (übrigens von Schneckenleitner in Waidhofen / Ybbs) ausgebaut wird. Frische Quitte, Banane, Heu und Akazienhonig duften im Glas. "Meinem Herz ist der Alte Reben-Sylvaner am teuersten", sagt Huber, und tatsächlich gilt gerade dieser Wein schon jetzt als herausragendstes Beispiel seiner Sorte in ganz Südtirol.

Das sechseinhalb Hektar umfassende Gut wird eben auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt. "Mit Botrytis oder Mehltau haben wir so gut wie nie Probleme, weil der Wind vom Brenner herunter immer dafür sorgt, dass nach einem Regen alles schnell wieder abtrocknet", erklärt der junge Winzer, warum er schon seit Jahren auf Chemie weitest gehend verzichten kann. Die Arbeit in den steilen Weingärten, wo fast alles manuell gemacht werden muss, erledigt er allein mit einem Angestellten, wenn Not am Mann ist, hilft der Vater aus. Noch ist Andreas Huber nicht verheiratet, dabei, so der etwas schüchterne Hüne, "müsste die Frau sicher nicht im Weinberg stehen". Aber mit den beiden Schwestern, die das hoch romantische Hotel mit 56 Betten, Frei- und Hallenbad und holzgetäfelten Stuben führen, mit denen sollte sie sich schon verstehen. Sagt er leise und senkt den Blick ins Glas, wo der kühle Sylvaner kreist. (Severin Corti, RONDO/DER STANDARD - Printausgabe, 28. Juli 2006)

In Österreich sind die Weine vom Pacherhof bislang noch nicht erhältlich, sie können aber bei Andreas Huber bestellt werden:
Pacherhof, Neustift, I-39040 Vahrn (BZ)
Tel. 0039 / 0472 / 83 57 17
www.pacherhof.com
  • Andreas Huber ringt den steilen Hängen um seinen Hof sensationelle Weißweine ab.
    foto: standard/majken corti

    Andreas Huber ringt den steilen Hängen um seinen Hof sensationelle Weißweine ab.

  • Artikelbild
    foto: standard/majken corti
  • Innenhof und Verkostungssaal des mittelalterlichen Gebäudekomplexes.
    foto: standard/majken corti

    Innenhof und Verkostungssaal des mittelalterlichen Gebäudekomplexes.

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