"Ärzte ohne Grenzen" warnt vor Scheitern der humanitären Hilfe

28. Juli 2006, 17:44
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Hilfsorganisation: Kein Zugang zu leidender Bevölkerung in Kampfgebieten - Hilfskräfte gefährdet

Paris - Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (Médecins sans frontières/MSF) hat angesichts der israelischen Angriffe erschwerte Arbeitsbedingungen im Libanon beklagt und vor einem Scheitern der humanitären Hilfe gewarnt. Der Zugang zu Zivilisten in den besonders umkämpften Gebieten sei für MSF "quasi unmöglich", hieß es in einer am Donnerstag in Paris verbreiteten Erklärung der Organisation. Dies sei "unannehmbar".

Verpflichtungen

"Die angekündigte humanitäre Hilfe kann nur wirksam sein, wenn sie tatsächlich auch der vertriebenen Bevölkerung zugute kommt," erklärte MSF. Wegen der andauernden militärischen Operationen sei die Arbeit der vier im Libanon tätigen MSF-Teams und aller anderer Hilfskräfte gefährlich. Ohne Israel ausdrücklich zu nennen, übte die Organisation heftige Kritik an dessen militärischem Vorgehen. "Unter Missachtung grundlegendster Verpflichtungen wurden Lastwagen mit Hilfsgütern zerstört, flüchtende Zivilisten bombardiert und Hilfskräfte beschossen." Für die libanesische Zivilbevölkerung startete MSF einen Spendenaufruf.

Kapazitäten

Bisher hätten die libanesischen Gesundheitsbehörden und libanesische Organisationen den Großteil der Arbeit geleitet und eine Katastrophe verhindern können, erklärte MSF. Von Tag zu Tag würden ihre Kapazitäten aber schwächer; nur eine Verstärkung durch internationale Helfer werde "ein Drama von größeren Ausmaßen verhindern können". MSF-Teams sind in der Hauptstadt Beirut, Tyrus sowie in der Region des Schuf (Chouf-)Gebirges eingesetzt; in einem ersten Transport schickten die Ärzte 85 Tonnen Hilfsgüter in den Libanon. (APA)

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