Erst arbeitslos, dann Unternehmer

16. August 2006, 10:00
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2005 wurden bereits 13 Prozent aller Neugrün­dungen in Österreich von ehemaligen Arbeitslosen ins Leben gerufen, allein im Vorjahr waren es mit 4.000 doppelt so viel wie 2004

Wien - 25.000 Arbeitslosen hat das Arbeitsmarktservice (AMS) in den vergangen zehn Jahren in die Selbstständigkeit verholfen. Die Zahl der Neugründungen, die im Rahmen des AMS-Unternehmensgründungsprogramms zustande kamen, hat sich von knapp 2.000 im Jahr 1999 auf 4.000 im Vorjahr verdoppelt. 2005 wurden bereits 13 Prozent aller Neugründungen in Österreich von ehemaligen Arbeitslosen ins Leben gerufen, betonte AMS-Vorstand Johannes Kopf am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Die Überlebenschance von ehemals arbeitslosen Personen gegründeten Unternehmen ist sehr gut, so Kopf. 87 Prozent der Unternehmen waren drei Jahre nach der Gründung noch aktiv. Nach fünf Jahren betrug die Überlebensquote immerhin noch 73 Prozent. Sechs Prozent der Gründer waren nach fünf Jahren sowohl selbstständig als auch unselbstständig tätig und nur weitere sechs Prozent waren wieder arbeitslos. Die restlichen 15 Prozent haben wieder eine unselbstständige Arbeit angenommen oder gingen in Pension oder in Karenz. Die Überlebensquote der Unternehmen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gegründet werden, sei höher als die durchschnittliche Überlebensquote der in Österreich gegründeten Betriebe, so Kopf. Nach aktuellen Zahlen der Wirtschaftskammer (WKÖ) liege die Überlebensquote nach drei Jahren bei 80,8 Prozent und nach fünf Jahren bei 71,1 Prozent.

Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze

Erfreulich seien auch die Beschäftigungseffekte. Nach fünf Jahren habe jeder Gründer neben seinem eigenen Arbeitsplatz im Schnitt 1,26 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Das AMS-Gründerprogramm kann ausschließlich von Arbeitslosen genutzt werden, die eine konkrete Geschäftsidee haben. Bei rund 28 Prozent aller Interessenten kommt es auch tatsächlich zu einer Unternehmensgründung. Der typische Gründer ist um die 40 Jahre alt und hat eine Lehrausbildung. Zwei Drittel der Unternehmen werden von Männern gegründet. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Bildungsforschung (ibw) zum arbeitsmarktpolitischen Erfolg des AMS-Gründungsprogrammes haben 45 Prozent der Gründer eine Lehrausbildung, 22 Prozent haben eine höhere Ausbildung, 14 Prozent nur Pflichtschulabschluss und 11 Prozent sind Akademiker.

AMS-Gründungsprogramm

Für das AMS-Gründungsprogramm stehen insgesamt 14 Millionen Euro zur Verfügung. Die Kosten pro Gründer bezifferte Kopf mit 3.400 Euro. Das Programm dauert sechs bis neun Monate. Dem Gründer wird ein Unternehmensberater zur Seite gestellt. Geprüft wird die Realisierbarkeit der Geschäftsidee und die persönlichen Voraussetzungen. Während der Gründungsvorbereitungen erhält der Betroffene Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe.

Kopf präsentierte die Ergebnisse der Studie im portugiesischen Restaurant "A Barraca", das vor drei Jahren im Rahmen des AMS-Programms gegründet wurde. (APA)

  • Überlebensquote der aus der Arbeitslosigkeit heraus gegründeten Unternehmen liegt nach fünf Jahren im Schnitt bei 73 Prozent.
    foto: photodisc

    Überlebensquote der aus der Arbeitslosigkeit heraus gegründeten Unternehmen liegt nach fünf Jahren im Schnitt bei 73 Prozent.

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