Die "Fallen" des Fixsterns am heimischen Filmhimmel

27. Juli 2006, 13:07
posten

Der neue Film der Autorin, Regisseurin, Produzentin Barbara Albert läuft im Wettbewerb um den "Goldenen Löwen" im Venedig

Wien - Für Österreich war es ein kleines Wunder, als Barbara Alberts Erstlingsfilm "Nordrand" im Jahr 1999 überraschend zu den Filmfestspielen von Venedig eingeladen wurde. Als erste Österreicherin seit über 50 Jahren hatte es die damals 28-Jährige geschafft, mit einem heimischen Film in das Rennen um den "Goldenen Löwen" zu treten. Damals wurde der Grundstein einer Karriere gelegt, die in den vergangenen Jahren von zahlreichen internationalen Auszeichnungen begleitet war. Egal ob als Autorin, Regisseurin oder Produzentin, Albert hat in der Szene längst Fuß gefasst. Mit "Fallen" steht sie ab dem 30. August erneut im internationalen Rampenlicht.

Venedig, Locarno, Toronto, New York, London

1999 in Venedig erhielt die Schauspielerin Nina Proll für ihre Darstellung der Jasmin in "Nordrand" den "Marcello Mastroianni-Preis", in weiterer Folge feierte "Nordrand" etwa bei der Viennale mit dem Wiener Filmpreis, dem Preis der FIPRESCI-Jury sowie dem "Best First Feature Film" beim Internationalen Stockholm Film Festival zahlreiche Erfolge. Einen weiteren Karriere-Höhepunkt erreichte Albert, als "Nordrand" für den Auslands-Oscar eingereicht wurde, jedoch ohne Nominierung blieb. Nach ihrem Beitrag zum Dokumentarfilm "Zur Lage" sorgte ihr Spielfilm "Böse Zellen" mit Festival-Einladungen in Locarno, Toronto, New York und London sowie einer weiteren Einreichung für den Auslands-Oscar für Aufsehen. Der Streifen, der um Tod, Verlust und die Gier nach Leben kreist, verwebt viele Handlungsstränge und Personen zu einem Netz an Beziehungen. Mit ihrem neuen Film "Fallen" startet Albert nun erneut im Wettbewerb von Venedig.

"coop 99"

Mehr als erfolgreich ist auch die gemeinsam mit Jessica Hausner, Martin Gschlacht und Antonin Svoboda gegründete Produktionsfirma "coop 99". Binnen kürzester Zeit wurden heuer gleich zwei Produktionen ausgezeichnet: Die Koproduktion von Jasmila Zbanics Film "Grbavica", an dessen Drehbuch Albert mitarbeitete, erhielt den "Goldenen Bären" der Berlinale, Hubert Saupers Oscar-nominierter Dokumentarfilm "Darwins Nightmare" punktete auch bei den französischen "Cesars".

Die Lust zu erzählen ließ die am 22. September 1970 geborene Wienerin Albert zunächst einen Umweg über das Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft nehmen, ehe sie ab 1991 Filmregie studierte. Typisch für ihre Geschichten ist, dass sie aus der Sicht der durchwegs jungen ProtagonistInnen erzählt werden. Der 1996 entstandene Kurzfilm "Die Frucht deines Leibes" zeigt die kindliche Vorstellungswelt, die sich ein kleines Mädchen von der geheimnisumwobenen Sexualität der Erwachsenen macht. Der Streifen sorgte bereits 1996 im Festivalprogramm von Venedig für Aufsehen und gewann in Locarno den Hauptpreis der "Leoparden von morgen".

Von "Twinni" bis "Fallen"

"Slidin' - Alles bunt und wunderbar" - der bei der Viennale 1998 erstmals präsentierte Episodenfilm, für den Albert die erste der drei halbstündigen Kurzgeschichten geliefert hat - verbindet wie fast alle ihre Arbeiten Autobiografisches mit Beobachtetem und Erfundenem. Weniger autobiografisch war der Kurzfilm "Sonnenflecken" angelegt, die 1997 entstandene Arbeit über Sarajewo mit dem Titel "Somewhere Else" stellte bereits eine erste Vorrecherche zu "Nordrand" dar.

Begonnen hat der Höhenflug der Jungfilmerin 1994 mit dem Regiepreis des Max-Ophüls-Filmfestivals in Saarbrücken für ihren Kurzspielfilm "Nachtschwalben". Weitere Arbeiten sind "Der andern eine Grube gräbt" (1991), "...und raus bist du" (1992), "Ich laß mir meinen Tod nicht nehmen" (1994) und "Twinni" (1994). (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Barbara Albert
  • Bild nicht mehr verfügbar
    Mit "Fallen" startet Barbara Albert bereits zum zweiten Mal im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig.
Share if you care.