Die "Bademeister Jesu"

27. Juli 2006, 12:02
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In Pescara begeben sich Geistliche auf die Suchen nach neuen Gläubigen an den Strand

Die Küste um die mittelitalienische Stadt Pescara ist ein riesiges Freizeitparadies. An dem Kilometer langen Sandstrand reihen sich Pizza- und Nachtlokale, Spielhallen und Pubs. In der frischen Nachtluft unter dem Sternenzelt ertönt wilde Musik vom Strand, wo gigantische Partys direkt am Meer organisiert werden. Unter das nächtliche Treiben mischt sich auch Pater Vito Canto, ein 33-jähriger Priester, der das Wort Jesu direkt unter Touristen und Badende bringen will.

Zusammen mit einigen Freiwilligen hat er auf dem Strand ein Zelt aufgebaut, eine Art mobile Kirche, wo Menschen beichten können. Vor dem Zelt steht ein großes Holzkreuz mit der Schrift "Jesus ist unser Retter". Abends leuchtet davor eine Fackel. Aus einem Lautsprecher ertönt Rosenkranzgebet. Die Beichten beginnen am Strand um 22.00 Uhr. Mit Pater Vito arbeiten die Freiwilligen der Gruppe "Die Bademeister Jesu", die an ihren roten T-Shirts zu erkennen sind.

"Wir haben gerade hier am Strand unser Zelt aufgeschlagen, weil die Touristen nachts leidenschaftlich in dieser Gegend spazieren gehen. Wir verteilen Flugblätter mit dem Slogan 'Ein Herz betet auch für dich in der Nacht'. Viele Leute sehen uns und gehen einfach vorbei, aber dann kommen sie doch noch zurück und möchten beichten. Die meisten Leute wollen anfangs nur reden. Danach bitten fast alle um Verzeihung für ihre Sünden", so der Priester.

Die Suche nach Licht

Die Nacht ist seiner Ansicht nach der beste Moment für die Beichte. "Nachts ist es dunkel, daher ist die Suche und die Erwartung nach Licht am stärksten", so Don Vito laut einem Bericht der römischen Tageszeitung "La Repubblica".

Pater Vito ist nicht der einzige, der in der Nacht Jugendliche auffordert, sich der kleinen "Kirche" am Strand zu nähern. Auch Kapuzinermönche und Karmelitinnen predigen auf dem Strand. Gisella Toppetti trägt Rock und Bluse, wird aber bald Klosterfrau werden. "Jesus predigte auf der Straße. Auch die Kirchenleute müssen sich unter die Jugend mischen. Ich frage die Leute: 'Willst du mit uns beten?' Nicht alle Antworten sind freundlich. Viele beschimpfen uns und behandeln uns schlecht. Doch wenn wir nur Zustimmung erhalten würden, müssten wir uns Sorgen machen. Dies würde bedeuten, dass wir einem Sieger, nicht einem Kreuz folgen. Wer anhält und mit uns betet, findet oft zu einem Glauben zurück, den er vergessen hatte", so Toppetti.

Die Aktion der "Bademeister Jesu" wird von der Pfarre von Pescara aktiv unterstützt. "Wir müssen dorthin gehen, wo die Leute leben, Spaß haben und Hoffnung brauchen. Die Kirche muss wieder missionieren", sagt der 41-jährige Pfarrer Vincenzo Amadio. "Früher war es einfacher, die Jugend in die Kirche zu locken. Jetzt gibt es zu viel Unterhaltung außerhalb der Kirche, daher müssen wir die Jugendlichen an den Orten begegnen, an denen sie verkehren", so Don Vito. (Von Micaela Taroni/APA)

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