Israel drängt nach Treffen Clinton-Arafat auf Dreiergipfel

16. Juni 2000, 15:37

"Die Bedingungen für einen solchen Gipfel sind jetzt reif"

Jerusalem - Trotz der Schwierigkeiten im Nahost-Friedensprozess halten israelische Experten die Zeit für einen Dreiergipfel zwischen US-Präsident Bill Clinton, Israels Premier Ehud Barak und Palästinenser-Präsident Yasser Arafat für gekommen. "Die Bedingungen für einen solchen Gipfel sind jetzt reif", sagte Israels Sicherheitsminister und Chefunterhändler bei den Verhandlungen für ein israelisch-palästinensisches Rahmenabkommen, Shlomo Ben-Ami.

Zwar gebe es "keine Garantie, dass es (das Treffen) erfolgreich sein wird, aber wir müssen den (Friedens)-Prozess vollenden", zitierte das Blatt den Minister. Nach seinem fast dreistündigen Gespräch mit Arafat am Donnerstag telefonierte Clinton längere Zeit mit Barak, berichtete die israelische Presse am Freitag. Arafat hatte nach dem Treffen mit dem US-Präsidenten erklärt, Barak fehle "bisher das Interesse, um mit uns für einen dauerhaften Frieden in der Region zu arbeiten".

US-Außenministerin Madeleine Albright will Ende nächster Woche in den Nahen Osten reisen, um ihre Vermittlungsbemühungen fortzusetzen. Sie wolle versuchen, den Dreiergipfel vorzubereiten, teilte das Außenministerium in Washington mit.

Kalkül?

Arafat hat auf die Bestimmung des Zwischenabkommens von Sharm el Sheikh ("Wye II") gepocht, dass die Endstatus-Verhandlungen bis 13. September abgeschlossen sein müssen. Zu diesem Zeitpunkt beanspruchen die Palästinenser das Recht, ihren souveränen Staat auszurufen. Barak hatte das Datum zuletzt wieder in Frage gestellt. Strittig sind vor allem der Status Jerusalems, die definitiven Grenzen sowie die Frage der Rückkehr von Flüchtlingen.

Dem israelischen Ministerpräsidenten hat Arafat vorgeworfen, er nutze die Koalitionsstreitigkeiten für weitere Verzögerungen bei den Friedensverhandlungen. Baraks Versuche, seine Koalition am Leben zu erhalten, haben unterdessen einen weiteren schweren Rückschlag erhalten. Das Linksbündnis Meretz hat angekündigt, die Regierung sofort zu verlassen, falls der Premier den "Erpressungsversuchen" der religiösen Shas-Partei nachgeben sollte. Das gab der Meretz-Politiker und Handels- und Industrieminister Ran Cohen am Freitag in Jerusalem bekannt. (APA)

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