"Homosexualität im Dritten Reich": Diplomarbeit abgeschrieben

27. Juli 2006, 11:39
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Wiener Politologin Gudrun Hauer erhebt Plagiat-Vorwurf gegen Salzburger Publikation, die auch für den Erika-Weinzierl-Preis eingereicht wurde

Salzburg - Plagiatstellen, unsauber abgeschriebene Zitate, falsche Belege, fehlende Verweise, historische Verfälschungen: Eine mit "Sehr gut" beurteilte Diplomarbeit zum Thema "Homosexualität im Dritten Reich" an der Universität Salzburg erweise sich als neue Fundgrube für wissenschaftliches Fehlverhalten. Diesen Vorwurf erhebt der Salzburger Medienforscher Stefan Weber.

"Bei einem derart sensiblen Thema, das genaueste Recherche verlangt, stimmt dies besonders traurig", urteilt Weber. Der Medienforscher hat an der Universität Salzburg bereits mehrere Plagiatfälle aufgedeckt, "ohne dass der Rektor bisher reagiert hat oder die nötigen institutionellen Veränderungen eingeleitet hätte".

Keine Quellenangaben

"Der NS-Staat war ein äußerst gewalttätiges Patriarchat mit einer extremen Rollenpolarisierung der Geschlechter." Dies schrieb 2004 eine Studentin in einer Diplomarbeit am Fachbereich Politikwissenschaft der Universität Salzburg - und zwar ohne Anführungszeichen. Doch leider stammt der Satz, wie so vieles andere in dem Werk, nicht von der Autorin. Und in einem Kapitel über "Medizinische Experimente innerhalb der KZ" schildert die Autorin den Fall einer Zwangsoperation, die sich jedoch eigentlich bereits 1926 ereignet hatte. Zwei Beispiele statt vieler.

Ausgezeichnet und "Sehr gut"

Die Beweise für den aktuellen Fall erhielt Weber von der Wiener Politologin Gudrun Hauer. Hauer wurde in der Arbeit sogar selbst plagiiert. Die Diplomarbeit wurde 2004 von der betreuenden Salzburger Professorin Barbara Wicha mit "Sehr gut" beurteilt und 2006 auch in Buchform veröffentlicht. Als Veranstaltung der Universität wurde das Buch heuer Mitte Juni auch im Haus für Gesellschaftswissenschaften präsentiert. Überdies wurde die Arbeit auch noch für den Erika- Weinzierl-Preis für Diplomarbeiten und Disserationen, die frauen-/ geschlechtsspezifischen Fragestellungen nachgehen, der Universität Salzburg eingereicht, teilte Weber mit. (APA)

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