Weiß wie die Venus

9. August 2006, 13:41
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Berühmt ist die Insel Paros nicht nur für ihren Marmor. Wer den Trubel flieht, ist auf Antiparos gut aufgehoben

Die schmale Treppe führt steil in die Tiefe. Sonnenblind versucht man sich zu orientieren. Die Hände klammern sich an dem kniehohen Geländer fest, die Füße suchen auf den ersten der insgesamt 411 glatten Stufen Halt, die auf den Grund der gigantischen, 5600 Quadratmeter großen Tropfsteinhöhle führen.

Der Besucher lässt die sengende Mittagshitze hinter sich. Die Luftfeuchtigkeit ist atemberaubend, die Temperatur hier drinnen liegt selbst im Winter konstant bei fünfzehn Grad. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit, die Pupillen weiten sich, die Atmung wird ruhiger.

Scheinwerfer reißen Details aus der Dunkelheit, geben den Blick auf das Kunstwerk frei, das die Kräfte der Natur in Millionen von Jahren aus dem Kalkgestein der kleinen Kykladeninsel Antiparos geformt haben. Stalagmiten in fahlem Weiß ragen empor, Stalaktiten, in ihrer Form Orgelpfeifen ähnelnd, hängen von der Decke, das Echo des tropfenden Wassers wird von den Wänden verzerrt zurückgeworfen. Es geht weiter, Meter für Meter in den Abgrund.

Draußen ist der schönste Junitag. Vorsaison. Paros, mitten in der Ägäis, inmitten der Inselgruppe der Kykladen, hat sich wie ihre kleine Schwestern Antiparos, von der sie durch eine schmale Meerenge getrennt ist, ordentlich herausgeputzt. Pittoresk sind sie, die in typischem Weiß und Blau gehaltenen Städtchen und Dörfer, Tavernen und Strände. Sie harren des Ansturms - eine Million Touristen besuchen die Inseln jährlich.

Noch ist es relativ ruhig

Noch schieben sich keine Massen über die Strandpromenade von Parikia, der Haupt- und Hafenstadt von Paros. Verlässt der Ankommende die Fähre, fällt sein Blick auf die altertümliche Windmühle, die mitten auf der Hafenstraße steht, diese quasi spaltet und einen visuellen Ankerpunkt darstellt. Man begegnet ihnen allerorts auf Paros, den Windmühlen.

Die etwa 186 Quadratkilometer große Insel lässt sich leicht umrunden. Die Vegetation steht in vollem Saft. Auf kurvenreichen Asphaltstraßen geht es an Olivenhainen, Weingärten, dösenden Kühen und feinsandigen Stränden vorbei ins Hinterland - hinauf ins Dörfchen Lefkes, das sich an den Hang der höchsten Erhebung der Insel schmiegt. In den 1970er-Jahren wäre es fast ausgestorben, als es ein Großteil seiner Einwohner auf der Suche nach Arbeit Richtung Festland verließ.

Im vergangenen Jahrzehnt erlebte Lefkes allerdings eine Renaissance - dem Tourismus sei Dank. Hier findet man vor allem eines: Ruhe - was in erster Linie an dem über die Ortschaft verhängten Fahrverbot liegt. Nur Esel kommen hier als Transportmittel in Frage.

Marathi

Einen Katzensprung entfernt ist Marathi, wo in der Antike "Lychnitis", der berühmte parische Marmor abgebaut wurde, jener weiße, durchscheinende Stein, der schon antiken Künstlern als Material diente - berühmtestes Beispiel: die Venus von Milo, geschaffen im zweiten Jahrhundert vor Christus, die heute, armlos, im Louvre zu bewundern ist.

Ruhig wie in einem Museum ist es auch im Felsendom. Staunend und ehrfürchtig schaut man nach oben. Schatten huschen über die Wände. Es ist geschafft, das Treppensteigen hat ein Ende. Vorerst. Denn angelangt an der Wurzel der Höhle, gibt's nur eine Richtung: zurück, über dieselben Stufen.

Die winzige Öffnung wird langsam größer, erleichtert tritt man ins Freie. Die plötzliche Hitze verursacht Gänsehaut. Mit zugekniffenen Augen blinzelt man ins gleißende Sonnenlicht. Nach dieser Anstrengung hilft nur eines: Ouzo, mit viel Eis. (Markus Böhm, Der Standard/rondo/28/7/2006)

Anreise: Z. B. mit der Lauda Air via Santorin und von dort weiter mit der Fähre nach Parikia.
Bluestar Ferries
Veranstalter: Der Griechenlandspezialist Reiseladen bietet diverse individuelle Packages mit Flug ab Wien nach Santorin an: Tel.: 0810 / 001 035
Unterkunft: Z. B. Paros Panorama Hotel: Tel.: 0030 22840 / 228 29 30
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    Kirche in Parikia

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