Bedrohtes Demokratie-Experiment

28. Juli 2006, 13:48
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Am Sonntag wird gewählt, ein teures Projekt der UNO: Anhänger der Oppositionspartei warfen am Dienstag Molotowcocktails - für Donnerstag ist eine weitere Demonstration angesagt

Kurz vor den ersten Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo seit vierzig Jahren häufen sich gewalttätige Zwischenfälle. Die größte Oppositionspartei boykottiert die Abstimmung. Kinshasa - Die gewalttätigen Proteste am Dienstag in der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, Kinshasa, gaben Befürchtungen neue Nahrung, dass es mit den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am Sonntag erneut zu Gewaltausbrüchen in dem von Bürgerkriegen gezeichneten Land kommen könnte.

Am Nachmittag war es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern der Opposition und der Polizei gekommen. Die Demonstranten der von Etienne Tshisekedi geführten größten Oppositionspartei UDPS warfen mit Steinen und Molotow-Cocktails. Einige von ihnen zündeten Autos an und versuchten Barrikaden zu errichten. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Nach mehr als zwei Stunden hatten die Sicherheitskräfte die Lage wieder unter Kontrolle. Auch deutsche Soldaten wurden in die Auseinandersetzungen verwickelt, als ein VW-Bus der Bundeswehr in die Kundgebung geriet und angegriffen wurde.

Die Protestaktion der Opposition richtete sich gegen die Regierung von Präsident Joseph Kabila, dem beabsichtigte Wahlfälschung vorgeworfen wird. Die Oppositionspartei boykottiert die Wahl und tritt für eine Verschiebung ein. Sie wirft der internationalen Gemeinschaft vor, einen Sieg für Kabila einzufädeln. Einige Demonstranten drohten deshalb Ausländern mit dem Tod. Für heute, Donnerstag, ist eine weitere Demonstration der UDPS angesagt.

In den vergangenen Wochen war es bereits mehrfach zu Zwischenfällen gekommen. Die Abstimmungen am Sonntag sind die ersten freien Wahlen in dem zentralafrikanischen Land seit mehr als 40 Jahren.

2000 EU-Soldaten

Bei dem von 1998 bis 2003 dauernden Bürgerkrieg kamen rund vier Millionen Menschen ums Leben. Die Wahlen werden nun von 2000 EU-Soldaten und den 17.600 UN-Soldaten abgesichert. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen soll erst am 14. September verkündet werden. Albrecht Conze, Vize-Direktor für politische Angelegenheiten der UNO-Mission im Kongo, sagte am Mittwoch, der für vier Monate geplante Einsatz der deutschen Soldaten könnte um ein bis zwei Monate verlängert werden, falls der zweite Wahlgang erst im November stattfände. (AFP, AP, Reuters, dpa/ DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2006)

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    Oppositionspartei UPDS warfen am Dienstag in Kinshasa Molotowcocktails, um gegen die Wahlen zu protestieren. Für Donnerstag ist eine weitere Demonstration angesagt.

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