Das Buch als Quelle der Künste

4. August 2006, 13:03
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Unter dem Motto "Leselust" findet noch bis zum 4. August eine Verkaufsausstellung bei Konrad O. Bernheimer in München statt

... die das Buch als Inspiration der Künste thematisiert. Bernheimer bat diverse Kollegen, sich am Angebot zu beteiligen.


München - In München frönt man dieser Tage der Leselust, wenn der Zugang zum Thema auch über die Kunst erfolgt. Bekanntermaßen stellte sich Jorge Luis Borges das Paradies immer als eine Art Bibliothek vor. Der 1986 verstorbene argentinischen Schriftsteller verstand Bücher auch als Inspirationsquelle für Maler, Zeichner und Fotokünstler.

Dementsprechend hat Konrad O. Bernheimer auch die entsprechende Kollegenschaft zur Mitarbeit bei dieser Verkaufsausstellung gewinnen können. Repräsentativ für seine Auswahl an Gemälden Alter Meister stehen Jusepe de Riberas (1591-1652) bis vor Kurzem in der Dresdner Gemäldegalerie ausgestellte Darstellung des Heiligen Andreas als Gelehrten. Ebenso von musealer Qualität Jean Hubers (1721-1786) Ein Märchen erzählender Voltaire. Das Werk ist mit 48.000 Euro veranschlagt und entstand im Umfeld einer Serie von 20 Motiven mit Szenen aus dem Alltagsleben des französischen Dichters. Neun Arbeiten aus dieser "Voltairiade" befinden sich heute in der St. Petersburger Eremitage.

Auch Verehrer des bedeutendsten Dramatikers und neben Goethe wichtigsten Vertreters der Weimarer Klassik werden hier fündig. Johann Friedrich Baumann (1784-1830) porträtierte 1827 einen Bewunderer Johann Friedrich von Schillers, der für 38.500 Euro den Besitzer wechseln wird. Katrin Bellinger steuerte den Entwurf eines Titelblattes mit der Darstellung einer Bibliothek von Claudius de Cock (1668-1736) bei (6500 Euro).

Die weite Welt historischer Artefakte aus der Frühzeit der Buchkunst steht beim Antiquariat Bibermühle im Mittelpunkt. Heribert Tentschert offeriert etwa ein auf 1481 datiertes Decretum mit 34 eingemalten Originalminiaturen vom Meister der Meisterinchronik aus Augsburg. Der Kostenpunkt für das komplette Exemplar in den ersten Holzdeckeln liegt bei 128.000 Euro. Nicht weniger exquisit ist die Suite von acht mit Sepia lavierten und signierten Originalvorzeichnungen Jean-Honoré Fragonards zu La Fontaines Contes et Nouvelles - mit einem Preis von 1,35 Millionen Euro eines der teuersten Exponate.

Für rund zehn Prozent des genannten Betrages kann man sich Petronius' Le Satyricon (Paris 1949) sichern und damit vier ganzseitige Original-Kreidezeichnungen, eine mit rückseitiger Skizze und 40 in zwei Farben gedruckte Original-Lithografien von Emile Othon Friesz. Dazu kommen zwei Suiten aller Lithografien, und das alles verpackt in einem Meistereinband mit vielfarbigen Mosaikauflagen von Jacques Anthoine-Legrain sowie zusätzlich den Imperialfolioband mit 34 Originalen in verschiedenen Techniken von Emile Othon Friesz, den Vorarbeiten zu den Lithografien. Den Abschluss der kunsthistorischen Zeitreise bestückt Blanca Bernheimer, eine der vier Töchter des Kunsthändlers, die die Abteilung Fotografie betreut und in die Welt der Gegenwart führt: Zu den zeitgenössischen Fotoarbeiten Arbeiten gehören Veronica Baileys Woman in Art, No. 1 aus einer Serie von 3 aus dem Jahr 2003 (6500 Euro), oder Abelardo Morells Book of Durer paintings, ein Gelatine Silver Print Nr. 16 von 30 aus dem Jahr 1995, der mit 3700 Euro veranschlagt ist. (kron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.7.2006)

  • 1995 schuf der auf Kuba geborene und in Boston lebende Abelardo Morell diesen Gelatine-Silver-Print, betitelt mit "Book of Durer paintings".
    foto: bernheimer

    1995 schuf der auf Kuba geborene und in Boston lebende Abelardo Morell diesen Gelatine-Silver-Print, betitelt mit "Book of Durer paintings".

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