Christie's verkauft im Netz

4. August 2006, 13:03
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Mit "Christie's LIVE" führt das Auktionshaus eine neue Auktionsplattform ein - vorläufig mit einer Testphase in ausgewählten Bereichen

Mit "Christie's LIVE" führt das Auktionshaus eine neue Auktionsplattform ein, die sowohl der bestehenden Klientel einen zusätzlichen Anreiz bieten als auch neue Kunden anziehen soll. Ab 2007 wird aus der vorläufig auf ausgewählte Sales beschränkten Testphase Ernst.


New York - Einer viktorianischen Hartholz-Banquette aus dem 19. Jahrhundert fehlte zwar einer der stilisierten Tierfüße, aber im Rahmen des New Yorker Housesales am 12. Juli fand sie, begleitet von einer reduzierten Taxe von 800-1200 Dollar, dennoch einen Besitzer. Bei 1680 Dollar fiel bei Christie's der Hammer - zugunsten des ersten Online-Käufers in der Geschichte des Unternehmens.

Im Unterschied zu den üblichen Internet-Auktionen, die sich über Tage und Wochen erstrecken, bei denen die Gegenbieter anonyme Gesichter bleiben, war der Käufer online zugeschaltet und kämpfte in der Art einer Video-Konferenzschaltung gegen die Konkurrenz. In Zeiten, in denen der Mitbewerb seine E-Business-Aktivitäten aus Kostengründen reduziert, wittert Christie's hier eine Chance, Märkte zu erschließen. "Christie's LIVE" nennt sich die neue Plattform, die die bestehende Klientel bedienen und eine neue ansprechen soll. Die Strategie ist nicht ganz abwegig, vor allem angesichts der steigenden Ebay-Community.

Investition ungenannt

Ob Käufer oder Verkäufer, die Ware kann so wenigstens über einen 100-prozentig vertrauensvollen Vermittler erstanden oder angesichts der weltweit vorhandenen Christie's-Klientel zu besseren Konditionen verkauft werden. Vor Überraschungen ist man hier jedenfalls gefeit: Kein Wartekick zwischen Bezahlung und tatsächlichem Erhalt des Erworbenen, keine enervierenden Urgenzen und auch keine Aktivierung des Käuferschutzprogramms. Die Investitionssumme in diese E-Business-Aktivität will Christie's nicht nennen - auch, weil die Kosten nicht detailliert aufschlüsselbar sind, da "es sich im Laufe der Jahre aus Bestehendem entwickelt hat", erklärt Christie's-Sprecherin Christina Freyberg, "von den übers Internet deponierten Kaufaufträgen bis zu Christie's LIVE war es insofern nur ein kleiner Schritt".

Das Registrierungsprozedere ist kostenfrei, sollte aber ob der Bearbeitung - im Prinzip mit der Anmeldung für eine Bieternummer im Auktionssaal vergleichbar - zwei Werktage vorher erfolgen. In der Testphase wird diese Möglichkeit nur bei ausgewählten Sales angeboten, etwa für Möbel-und Bilderauktionen in der South-Kensington-Niederlassung. Ab 2007 soll die Anzahl des Stammpublikums schon in 32- oder 128-stelligen Binärzahlen ermittelt werden können. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.7.2006)

  • Erster Online-Verkauf in der Geschichte von Christie's: Viktorianische Hartholz-Banquette für 1680 Dollar.
    foto: christie's

    Erster Online-Verkauf in der Geschichte von Christie's: Viktorianische Hartholz-Banquette für 1680 Dollar.

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