Präsidentschaftskandidat kritisiert geplante Wahlen massiv

29. Juli 2006, 20:50
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"Es sind mehrere Millionen Wahlzettel zu viel gedruckt worden"

Kinshasa - Der von der katholischen Kirche unterstützte Präsidentschaftskandidat im Kongo hat wenige Tage vor der geplanten Wahl massive Unregelmäßigkeiten bein den Wahlvorbereitungen beklagt. "Es sind mehrere Millionen Wahlzettel zu viel gedruckt worden, und die Wählerlisten sind noch immer nicht veröffentlicht", sagte Anatole Matusila am Mittwoch in Kinsahsa.

"Die Bischofskonferenz wird in Kürze entscheiden, ob sie - wie angedroht - zum Boykott der Wahlen am Sonntag aufruft", sagte der Chef der katholischen Laienorganisation im Kongo. In diesem Fall werde er seine Kandidatur zurückziehen. "Die Wahlvorbereitungen waren alles andere als glaubwürdig", sagte er.

"Wir wollen Wahlen, aber nicht unter diesen Umständen"

Matusila kritisierte das Drängen der internationalen Gemeinschaft auf die Wahlen. "Die Wahlen sollen für das kongolesische Volk sein und nicht für die öffentliche Meinung in Amerika oder Europa", sagte er. Der internationalen Gemeinschaft gehe es letztlich um die Rohstoffe des Kongos und nicht um die Menschen dort. "Wir wollen Wahlen, aber nicht unter diesen Umständen", sagte er. "Wir werden keinen Wahlbetrug legitimieren." Die Entsendung einer europäischen Eingreiftruppe unter deutscher Führung hält er für überflüssig. "Anstelle von Soldaten sollten sie uns lieber Entwicklungshelfer schicken", meint er.

Matusila ist einer von 32 Kandidaten, die am Sonntag gegen Amtsinhaber Joseph Kabila antreten wollen. Zugleich treten mehr als 9000 Bewerber um 500 Sitze im Parlament an. Es sind die ersten freien Wahlen seit mehr als 40 Jahren und die größten, die je von den Vereinten Nationen unterstützt wurden. Die internationale Gemeinschaft hat bisher 450 Millionen Dollar dafür bereit gestellt. (APA/dpa)

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