Starköchin und Zoodirektor singen das Kanzler-Loblied

31. Juli 2006, 11:50
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Acht Prominente umfasst das Personenkomitee "Wir für Schüssel", und es sollen noch viel mehr werden. Vor allem Wechselwähler sollen animiert werden, den Kanzler zu wählen. Organisationschef ist ein Ministersohn.

Wien – Im Kabarett-Erfolg "Freundschaft" mit Erwin Steinhauer hörte sich die Sache mit den Personenkomitees so an: "Vater: Also, wie schaut’s aus mit einem Komitee? Sohn: Wen willst haben? Das Stammensemble – Erika Pluhar, Fritz Muliar, Timna Brauer? Vater: Ja, glaubst, würde ich die kriegen? Sohn: Sicher. Bin überzeugt, die haben in der Parteizentrale blanko unterschrieben für zehn SPÖ-Personenkomitees pro Jahr. Wurscht, wo und für wen. Da gehst hin, da gibt’s wahrscheinlich so einen Zehnerblock, da reißt du dir dein Markerl runter – und die sind schon bei dir."

Umgemünzt auf die ÖVP könnte man sagen: Im "Stammensemble" eines "Unabhängigen Wolfgang-Schüssel-Personenkomitees" ist auf alle Fälle Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl dabei, der laut Eigendefinition "seit 30 Jahren ÖVP-Mitglied" ist. Schon 2002 warb Raidl für Schüssel, heuer tut er es wieder, unter dem Motto "Wir für Schüssel".

"Wir" – das waren am Mittwoch bei der Präsentation neben Raidl die Unternehmerin Heidegunde Senger-Weiss, die Rechtsanwältin und ÖVP-Bezirksrätin Kathrin Gürtler und der Direktor des Tiergarten Schönbrunn, Helmut Pechlaner. Weiters auf der Liste: Starköchin Johanna Maier, Skiverbands-Präsident Peter Schröcksnadel, die Leiterin des Dungl-Zentrums in Gars, Andrea Zauner-Dungl, die schon Benita Ferrero-Waldner im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt hat, sowie Ex-EU-Kommissar Franz Fischler.

Dass man mit dieser Personenauswahl der ÖVP rein ideologisch nicht gerade ferne steht, ist klar – und für Komitee-Vorsitzenden Raidl auch "kein Problem". Gerade eine Persönlichkeit wie Fischler stehe für eine "kritische Haltung, er hat sich immer wieder entsprechend geäußert".

Oberstes Ziel des Komitees sei es, "zu wachsen und möglichst viele Personen, vor allem Wechselwähler davon zu überzeugen, Schüssel zu wählen". Die Frage nach dem "Warum" beantworteten die Komitee-Gründer gleich selbst mit allerlei Lob & Hudel: Der Kanzler habe "so viel erreicht", hieß es etwa, er stehe "für bestimmte Werte", man könne sich "auf ihn verlassen" und er habe "ein intaktes Familienleben und mit Frau und Tochter zwei starke Persönlichkeiten an seiner Seite".

Gehrer-Sohn hilft

Die Aktivitäten des Personenkomitees sollen laut Raidl "unabhängig von der ÖVP" _abgewickelt und über Spenden finanziert werden. Geplant sind Zeitungsinserate mit Positivzitaten über Schüssel, eine Homepage (erfolgreich.at) wurde bereits reserviert und soll demnächst online gehen – und überhaupt sollen "alle modernen Kommunikationsmittel eingesetzt werden", wie Christian Gehrer, verantwortlich für die Organisation, betont. Gehrer ist, auch kein Zufall, nicht nur Vorsitzender des Cartellverbands und Geschäftsführer des ÖVP-nahen "Management-Clubs" – sondern auch Sohn der ÖVP-Bildungsministerin. Gehrer engagiert sich, wie die anderen auch, "ehrenamtlich und in seiner Freizeit", betonte Raidl. Geldspenden werden freilich gern entgegengenommen – und in der Politik, so betonten alle einhellig, will in Zukunft "niemand von uns etwas werden". (Petra Stuiber/DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2006)

  • "Wir für Schüssel", vier von derzeit acht, bald sollen es mehr sein: Raidl, Senger-Weiss, Gürtler, Pechlaner.
    foto: standard/newald

    "Wir für Schüssel", vier von derzeit acht, bald sollen es mehr sein: Raidl, Senger-Weiss, Gürtler, Pechlaner.

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