Generali Vienna streicht bis Ende 2008 bis zu 390 Stellen

26. Juli 2006, 13:25
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Vorstands-Chef Stoss: "Kein einziger sozialer Härtefall" - Alle neun Generaldirektionen bleiben erhalten

Wien - Die Generali Holding Vienna wird in Österreich bis Ende 2008 im "äußersten Fall" rund 350 bis 390 Stellen streichen, teilte die Österreich-Tochter des italienischen Versicherungskonzerns Generali heute, Mittwoch, in einer Pressemitteilung mit. Soziale Härtefälle werde es nicht geben. Die neue Österreich-Struktur soll bis Dezember 2008 schrittweise umgesetzt werden. Regionaldirektionen würden nicht stillgelegt, sondern würden verstärkt auf die Kundenbetreuung ausgerichtet.

"Strukturanpassungen"

"Fassungslos" zeigt sich Generali Vienna-Chef Karl Stoss in der Pressemitteilung, "mit welchen unseriösen Mitteln die Gewerkschaft der Privatangestellten versucht, im Interesse des Fortbestandes des Unternehmens dringend notwendige Strukturanpassungen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Generali zu 'vernadern' und damit eine weitere gesunde Entwicklung des Unternehmens zu gefährden."

Der von Teilen des Betriebsrates und der GPA behauptete Verlust von 700 Arbeitsplätzen sei "völlig aus der Luft gegriffen und reine Panikmache". "Um konkurrenzfähig zu bleiben und die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens langfristig zu sichern, könnte es im äußersten Fall sein, dass in denn nächsten 29 Monaten - bis Ende 2008 - rund 350 bis 390 Stellen verloren gehen", so Stoss.

Persönliche Garantie

Dies werde aber durch natürliche Fluktuation, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie eine entsprechende Mobilitätsoffensive zu bewältigen sein. "Ich garantiere persönlich dafür", versichert Stoss, "dass es keinen einzigen sozialen Härtefall geben wird. Wer mich kennt, weiß, dass ich für jede einzelne Mitarbeiterin und jeden einzelnen Mitarbeiter Verantwortung spüre".

"Völlig unwahr" seien Behauptungen der GPA, wonach Regionaldirektionen stillgelegt würden. Die jüngsten Beschlüsse des Generali-Vorstands entlarvten dies "als Lüge" und garantierten, dass alle neun Regionaldirektionen erhalten bleiben. Die Regionaldirektionen würden verstärkt auf die Kundenbetreuung ausgerichtet, kundenferne Back-office-Aufgaben teilweise länderübergreifend wahrgenommen. In St. Pölten werde ein neues Generali Service Center etabliert. Für die Erledigung von Massenschäden sowie die Aufgaben in Bereichen Sach-, Lebens- und Kranken-/Unfallversicherung werde der Standort Wien zuständig sein, für die Kfz-Versicherung der Standort Linz, für das Rechnungswesen werden in Wien, St. Pölten und Linz entsprechende Organisationseinheiten zur Verfügung stehen. Die Personalverrechnung und -verwaltung werde österreichweit von Wien aus erledigt.

Effizienzsteigerung

Die Generali setzte damit Maßnahmen um, die von den Mitbewerbern schon vor Jahren durchgeführt worden seien, um ihre Effizienz zu erhöhen. Auch die Mitbewerber leisteten es sich im Zeitalter des Computers nicht mehr, jede Verwaltungsaufgabe an neun Standorten wahrzunehmen.

Stoss appelliert an die Mitarbeiter, "sich nicht von einigen Betriebsräten und Gewerkschaftern missbrauchen zu lassen und damit ihre eigene Basis zu gefährden."

Aktionstag

Die Belegschaftsvertretung und die GPA haben wie berichtet im Rahmen des Generali Open Tennisturniers in Kitzbühel für den 29. Juli einen Aktionstag unter dem Motto "Familentreffen" angekündigt. Zentralbetriebsrat und GPA hatten gestern in einer Presseaussendung den Vorstand erneut aufgefordert, seine "soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern wahrzunehmen und eine Arbeitsplatz- und Arbeitsort-Garantie" abzugeben. Bei dem "Familientreffen" soll laut Arbeitnehmervertretern dem Vorstand "vor Augen geführt werden, welche massiven existenziellen Eingriffe diese Einsparungsmaßnahmen für die Mitarbeiter und deren Familien bedeuten".

ezepte der Gewerkschaft

Der Gewerkschaft sei mittlerweile "offensichtlich jedes Mittel recht, vom eigenen Scherbenhaufen im ÖGB bzw. in der Bawag, dessen Dimensionen in seiner gesamten Tragweite noch gar nicht bekannt sind, abzulenken," so Stoss in der Pressemitteilung. "Wohin die Rezepte der Gewerkschaft führen, ist der österreichischen Bevölkerung in den letzten Wochen und Jahren dramatisch vor Augen geführt worden." Es gebe nämlich auch "eine Verantwortlichkeit des Unterlassens bzw. Wegschauens." Das Beharrungsvermögen und verzweifelte Festhalten an alten Strukturen oder Machtritualen habe der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Realität und Entwicklung nichts entgegen zu setzen." Statt dessen versuche die Gewerkschaft, die Mauern hoch zu ziehen und den "bösen" Neokapitalismus zu verdammen. "Allerdings haben sie selbst Milliarden Euro verzockt oder durch ein Management des Unterlassens bei ihren Beteiligungen maßgeblich dazu beigetragen." (APA)

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