Firmenstimmung in Deutschland getrübt

14. August 2006, 09:55
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Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli stärker als erwartet eingetrübt

Berlin - Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli stärker als erwartet eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank auf 105,6 von 106,8 Punkten, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Mittwoch mitteilte. Sowohl ihre gegenwärtigen Geschäfte als auch ihre Aussichten bewerteten die rund 7.000 befragten Unternehmen skeptischer.

"Die konjunkturelle Entwicklung bleibt weiterhin aufwärts gerichtet", erklärte Ifo-Ökonom Gebhard Flaig aber. Insgesamt habe sich die Stimmung in der Industrie und im Einzelhandel verschlechtert, im Großhandel habe sich das Geschäftsklima dagegen aufgehellt. "Die Chancen im Exportgeschäft sahen die Industrieunternehmen immer noch sehr positiv, wenn auch in etwas geringerem Maße als in den Vormonaten", erklärte das Ifo.

Die Finanzmärkte reagierten etwas verunsichert. Der Dax notierte zwar zunächst etwas höher, rutschte dann aber unter das Vortagesschlussniveau ab. Analysten hatten erwartet, dass der Ifo-Index auf 106,0 Punkte sinkt. Der Index zur aktuellen Lage ging auf 108,6 von 109,4 Punkten zurück. Auch ihre Geschäftsaussichten beurteilten die Firmen pessimistischer, die Erwartungskomponente gab auf 102,6 von 104,2 Punkten nach. Auch die Stimmung unter den deutschen Dienstleistern verschlechterten sich dem Ifo zufolge: Der Ifo-Index für die Service-Branche sank um 2,6 auf 18,4 Punkte.

Hoher Ölpreis könnte belasten

Ifo-Volkswirt Klaus Abberger machte deutlich, dass der hohe Ölpreis die deutsche Wirtschaft belasten könnte. Das Ifo-Institut sehe derzeit aber keinen Grund, seine Prognose eines Wirtschaftswachstums von 1,8 Prozent für Deutschland in diesem Jahr zu ändern, sagte der Ökonom. Eine weitere kleine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank wäre aus Sicht der Ifo-Forscher vertretbar. Er empfahl der EZB aber, danach abzuwarten und die Daten zu beobachten.

Nachdem bereits das Konjunkturbarometer des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) seit mehreren Monaten nach unten zeigt, gehen viele Volkswirte davon aus, dass der Höhepunkt des Aufschwungs schon überschritten ist. "Das zweite Quartal dürfte in Deutschland das stärkste gewesen sein mit 0,8 Prozent Wachstum zum Vormonat, aber das dritte wird auch nicht schlecht", sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort.

Analysten betonten, dass inzwischen das kommende Jahr mit der konjunkturbelastenden Mehrwertsteuererhöhung ins Blickfeld rücke. Guntermann betonte aber, dass auch andere Gründe derzeit die Firmenstimmung eintrübten: "Zu dem Rückgang dürften Sorgen über den Verlauf der US-Konjunktur, hohe Ölpreise, Unsicherheit über den Wechselkurs und Enttäuschung über die Reformen in Deutschland beigetragen haben." (APA/Reuters)

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    Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank auf 105,6 von 106,8 Punkten, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Mittwoch mitteilte.

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