Qualle "Rhizostoma pulmo"

Redaktion, 13. August 2006, 19:02
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    foto: standard/archiv

    Qualle Rhizostoma pulmo

Und jährlich grüßt das Rudeltier: Derzeit in Scharen an italienischen Stränden anzutreffen

Sommer, Sonne, Strand - und Quallen. Jahr für Jahr vermiesen wabernde Gallertmonster den Urlaub am Meer. Schuld daran ist die Hitze. Vor allem Italiens Strände werden derzeit nicht nur von einer Invasion von Touristen bevölkert, welche die Küsten zu ihrem privaten Refugium erklären, auch die Qualle namens "Rhizostoma pulmo"sucht das Land am Mittelmeer wieder einmal heim. Vor Ligurien und der Toskana, vor Sardinien und Sizilien schwimmen sie, nähren sich und werden neben die Urlauber scharenweise an die Strände gespült. Durch die Massen, die dort gleichzeitig ankommen (Quallen sind Rudeltiere), erscheint der Sand violett, Hilfskräfte müssen die übel riechenden Überbleibsel entfernen.

Die Quälgeister fühlen sich vor den Küsten Italiens pudelwohl. Der durchscheinende, gallertartige Organismus besteht zu rund 99 Prozent aus Wasser, seine Gestalt ist schirmartig, er besteht aus zwei einschichtigen, nur knapp ein Fünfzigstel Millimeter dicken Gewebelagen. Der Durchmesser kann bis zu 60 Zentimeter betragen.

Derzeit sind die Wassertemperaturen extrem hoch. Rund 28 Grad betragen sie an der Wasseroberfläche in der Nähe der Strände, an die sich die Qualle mithilfe der Strömung einfach treiben lässt. Natürlich könnte sie sich auch selbst vorwärts bewegen, indem sie einfach ihren glockenförmigen Schirm rhythmisch zusammenzieht.

Nesselzellen

Unter diesem Schirm befinden sich Ausstülpungen, die mit Nesselzellen ausgestattet sind. Stoßen diese Arme mit anderen Lebewesen zusammen, so schaltet die Qualle blitzschnell zur Verteidigung. Der Stachel an den mit Gift gefüllten Nesselzellen lässt bei der geringsten Berührung die Nesselkapsel im Inneren der Zelle platzen, worauf ein Nesselfaden nach außen gestülpt wird, der das lähmende Gift abgibt. Das Beutetier wird vergiftet und verschwindet sodann im Inneren der Qualle.

Menschen stehen zwar nicht auf dem Speiseplan, bei Zusammenstößen sieht es trotzdem ziemlich hässlich aus - für Menschen. Quallen dieses Typs sind aber nicht so aggressiv wie manche ihrer Kolleginnen, die Atembeschwerden, Brechreiz oder Kreislaufzusammenbrüche verursachen. Mit schmerzenden, juckenden Rötungen muss man aber doch rechnen. Zur Frage, was Linderung bringt, existieren diverse Mythen - allerdings sollte man die Finger vom Versuch lassen, die hängen gebliebenen Tentakel mithilfe von Rasierschaum abzuschaben. Auch die "Behandlung"mit Urin ist nicht empfehlenswert. Beste Methode: Tentakel mit Salzwasser herunterspülen, was zwar brennt, aber wirkt.

Hoffnung auf das Verschwinden der Qualle besteht bei Sturm und hohen Wellen. Das würde einem allerdings auch die Laune vertreiben, an den Strand zu gehen. (Barbara Stix/DER STANDARD-Printausgabe, 26.7.2006)

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15 Postings
graviton
00
26.7.2006, 17:49

Wenn sich eine Qualle pudelwohl fühlt, hat Greenpeace etwas erreicht!

Diego: Das alte Lager
 
00
26.7.2006, 16:52
Übrigens:

Kein Vergleich zur Brennessel:
Eine Berührung durch diese Qualle fühlt sich an wie ein Messerstich!

Ivan Bukov
01
26.7.2006, 13:04

Werden diese Artikel eigentlich vom oesterreichischen Tourismusverband gesponsert?

Ravi Ravendro
00
26.7.2006, 11:14
Ein Tipp:

"Hawaiianischer Quallensalat": Zutaten sind 200g gesalzene Qualle, eine in Streifen geschnittene Gurke, je ein EL Erdnusbutter, Sojasauce, Essig, Zucker, Sesamöl, und ein Schuß Chiliöl. Qualle waschen, in fliessendem Wasser spühlen, und in Streifen schneiden - kurz blanchieren und danach abschrecken und abtropfen lassen - Gurken anordnen auf Teller - Qualle drauf legen - restliche Zutaten vermischen und in kleiner Schüssel zur Qualle servieren. Wenn die italienischen Tourismuszentren dieses Rezept verbreiten, könnte die Quallenpest bald besiegt werden. Und übrigens: falls man einer beim Schwimmen begegnet gibt es von Nidaria Technology LTD eine Antiquallencreme, die man vor dem Schwimmen aufträgt zum vorbeugenden Schutz vor den Stichen.

susi strolcher
01
26.7.2006, 09:31
Auch die "Behandlung"mit Urin ist nicht empfehlenswert

das ist, mit verlaub, totaler blödsinn. genau diese behandlung hat schon viele schwimmer und surfer vor einem schock bewahrt. nicht nur in indien, das eine lange tradition mit eigen-urin behandlung hat, wird das praktiziert, auch alle australierInnen von der küste werden das bestätigen.

LittleSister
00
26.7.2006, 14:09
Was gegen Urin&Co sprechen könnte...

Rasierschaum: Wer geht schon mit Rasierschaum an den strand?

Essig: Selbiges Problem (ich denke mal dass es inzwischen nur mehr sehr wenige menschen gibt die in der Hitze Essigwasser mit Honig trinken)

Urin: Prinzipiell sicher auch ned schlecht und theoretisch auch verfügbar, nur: Sehr viele können in einer Stresssituation nicht pinkeln. (also doch ned so verfügbar... vielleicht als nachbehandlung *g*)

Salz-/Meerwasser: Is reichlich vorhanden denk ich mal...

biggi729
00
26.7.2006, 15:16

wenn man von der gefahr weiß, kann mans mitnehmen ;o) und wie ein poster schon gesagt hat - es gibt inzwischen gels, die man vor dem schwimmen aufträgt, nennt sich safe sea. noch eine möglichkeit: ein dünner lycraanzug, schützt auch gegen sonnenbrand ;o)

la ananda
00
26.7.2006, 16:15
na toll!

ins 28 grad warme wasser im lyraanzug. super idee.

biggi729
00
26.7.2006, 16:33

der ist ja hauchdünn! ist grad nur zum schutz und isoliert nicht.

graviton
00
26.7.2006, 17:47

Es ist nicht dasselbe Gefühl mit so einem Anzug! Und außerdem hab ich eine Lycraan-Allergie ;-)

Ragin Hari
00
26.7.2006, 12:46
.. kann man auch wohlrichend haben:

In der Apotheke eine Salbengrundlage (Ultrabas o.ä) mit 10-20% Harnstoff (Urea) mischen lassen. Das Ergebnis ist eine angenehm richende weiße Schmiere, die sehr bekömmlich für trockene, rissige und juckende Haut ist ..

susi strolcher
01
26.7.2006, 13:26
aber wenn man grad voll verbrannt aus der brandung taumelt

ist es meistens einfacher sich so schnell wie möglich von jemand anpissen zu lassen. zeit ist da ein faktor.

Atterl
 
01
27.7.2006, 21:18
Kommt sicher gut an...

...wenn man brüllend am Strand einem anderen Touristen entgegenrennt: "Pinkel mich an, pinkel mich an!!"

Kannst Dir dann im Häfn Sorgen um den Quallenstich machen ...

biggi729
00
26.7.2006, 11:37

stimmt. auch die behandlung mit rasierschaum wird sogar von meeresbiologen propagiert. nur ja kein süßwasser verwenden! das wird als "attacke" gewertet und die noch nicht geplatzten nesselzellen entladen sich erst recht! essig soll auch gut helfen.

gnu1
01
26.7.2006, 06:47
Schuld

alle Medien berichten darüber, und überall der Satz "Schuld ist die Hitze". Immerhin in einem Artikel (leider nicht im Standard), werden die ungereinigten Abwässer, die noch immer in die Adria gespült werden, erwähnt und der Zusammenhang von zu vielen Nährstoffen mit der Qualleninvasion erklärt. "Schuld ist die Hitze" ist nicht nur vereinfachend, sondern "kriminell verniedlicht" (c Fredl Fesl)

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