Saudis warnen vor Krieg

26. Juli 2006, 16:15
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Erstmals hat ein gemäßigter arabischer Staat eine scharfe Warnung an Israel gerichtet: Wenn die israelische Offensive nicht eingestellt werde, könne es zu einem neuen Nahostkrieg kommen

US-Außenministerin Condoleezza Rice sieht indessen einen "neuen Nahen Osten".



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Riad/Jerusalem/Ramallah - Der saudiarabische König Abdullah hat vor einem neuen Nahostkrieg gewarnt, wenn Israel seine Militäroffensive im Libanon und gegen die Palästinenser nicht einstelle. "Wenn die Friedensoption wegen der israelischen Arroganz scheitert, wird es keine andere Option außer Krieg geben", erklärte der Monarch dem staatlichen Fernsehen zufolge am Dienstag. Zugleich sicherte der König dem Libanon 500 Millionen Dollar (396 Millionen Euro) für den Wiederaufbau des Landes zu. Weitere 250 Millionen Dollar sollen an die Palästinenser gehen.

Unmittelbar zuvor hatte Israels Ministerpräsident Ehud Olmert bei seinem Treffen mit US-Außenministerin Condoleezza Rice in Jerusalem angekündigt, den Krieg gegen die Hisbollah im Libanon fortzusetzen. Seit Beginn der Kämpfe sind mehr als 400 Libanesen und 41 Israelis ums Leben gekommen.

Rice erklärte zum Auftakt des Treffens mit Olmert, die Zeit sei reif für einen "neuen Nahen Osten". Eine dauerhafte Lösung sei eine, die die Kräfte von Frieden und Demokratie stärke. "Jenen, die einen neuen Nahen Osten nicht wollen, muss jetzt gesagt werden, dass wir siegen werden", sagte Rice. Am Vortag hatte die US-Außenministerin eine Waffenruhe an die Bedingung geknüpft, dass die Bedrohung Israels durch die Hisbollah beendet werde. Olmert sagte nach dem Gespräch mit Rice, man stimme darin überein, dass eine Lösung der Krise die Entwaffnung der Hisbollah, deren Rückzug von der israelischen Grenze und die Stationierung einer internationalen Truppe umfassen müsse. Die Friedenstruppe müsse sicherstellen, dass die Hisbollah Israel nicht mehr bedroht.

"Zweistaaten-Vision"

Nach der Begegnung mit Olmert traf Rice in Ramallah mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammen. Vor der Presse sagte sie anschließend, trotz der Libanonkrise "müssen wir auf unseren Wunsch konzentriert bleiben, zur Vision zweier friedlich nebeneinander lebender Staaten zurückzukehren". Abbas rief Israel zu einem sofortigen Waffenstillstand auf. Ebenso müsse die "Aggression"im Gazastreifen und im Westjordanland beendet werden.

Der Palästinenserpräsident sagte, er tue alles, um die Freilassung des von Palästinensern entführten israelischen Soldaten zu erreichen, und hoffe, dass Israel palästinensische Gefangene freilasse. Bei der israelischen Offensive im Gazastreifen nach der Entführung des Soldaten sind bisher mindestens 115 Palästinenser getötet worden.

Sami Abu Zuhri, Sprecher der regierenden Hamas, hatte erklärt, Rices Besuch in den Palästinensergebieten sei "nicht willkommen". Der Besuch solle nur Israels Überlegenheit gewährleisten. (Reuters, AFP, dpa, red/ DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2006)

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    Israels Premier Ehud Olmert mit US-Außenministerin Condoleezza Rice: "Entwaffnung der Hisbollah."

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