20. Oktober 2006, 10:24
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Wie in vielen Bereichen spielt Linz auch bei den Universitäten in einer eigenen Liga. Das Angebot mit einer großen und drei kleinen Unis stimmt, dennoch ist die Landeshauptstadt von einer klassischen Studentenstadt deutlich entfernt. Markus Rohrhofer

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Linz - Der 8. Oktober 1966 war der Tag der Wende in Linz. Das jahrelange Bemühen der Landeshauptstadt, einen Bildungungsgegenpol zur Schwer- industrie zu schaffen, gelang an einem sonnig-warmen Herbsttag. Im Beisein von Bundespräsident Franz Jonas wurden am Hauptplatz die Schlüssel für die Johannes Kepler Universität feierlich an die Professoren der ersten Stunde überreicht.

40 Jahre später ist die Kepler-Uni aus den Köpfen der Linzer nicht mehr wegzudenken, und mit der Kunst-Universität, der Anton-Bruckner-Privatuni und der katholisch-theologischen Privatuni runden noch drei "Kleinuniversitäten"das akademische Bildungsangebot in Linz ab. Trotz breiten Angebots gibt esgeteilte Meinungen, ob Linz, EU-Kulturhauptstadt 2009, als Uni-Stadt empfunden wird.

"Natürlich ist Linz eine Universitätsstadt - ganz eindeutig. Bis auf Medizin und einige philosophiosche Fächer kann man hier alles studieren", ist der Vizerektor der Kepler-Uni, Friedrich Schneider, im Gespräch mit dem Standard überzeugt. Natürlich habe man keine 200-jährige Geschichte wie etwa die Universitäten in Graz oder in Wien, aber in den vergangenen 40 Jahren sei ja Linz "auch keine Kulturstadt gewesen - heute ist es eine", so Schneider. "Die einzige Chance für eine junge Uni wie Linz ist es, Nischenpolitik zu betreiben und in bestimmten Fachbereichen herausragend zu sein", ist der Vizerektor überzeugt. Differenzierter sieht dies der Rektor der Linzer Kunst-Universität, Reinhard Kannonier. "Rein vom Angebot her ist Linz sicher eine Uni-Stadt, von der Präsenz in der Stadt wohl kaum". Aus heutiger Sicht wäre es "vielleicht besser"gewesen, wäre die ursprüngliche Idee, die Uni in der Innenstadt anzusiedeln, realisiert worden.

Kooperationsprobleme

"Ich bin aber optimistisch, dass Linz seinen Uni-Status in den kommende Jahren noch deutlich stärken wird", sagt Kannonier. Derzeit sei man bemüht, die Standorte der Kunst-Unis wieder zentral in der Innenstadt zu bündeln. Wünschenswert wäre auch "mehr Kooperatisonswille"seitens der Kepler-Uni. "Ein gemeinsames Auftreten - auch räumlich - in manchen Bereichen würde auch den Uni-Standort Linz weiter stärken und die Haupt-Uni mehr in die Stadt holen", so Kannonier.

Faktum ist, dass der Linzer Student im öffentlichen Raum kaum in Erscheinung tritt. Leben und Freizeit finden fast auschließlich abseits der Stadt auf dem Campus statt. "Das universitäre Leben ist in Linz nur sehr bedingt präsent. Im Gegensatz zu Wien oder Graz findet man im Zentrum kaum typische Stundentenlokale", ist Michael Rosenberger, Institutsvorstand für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Uni, überzeugt. Dennoch habe sich aber gerade in den letzten Jahren sehr viel getan, Linz sei heute sicher ein anerkannter Fixpunkt in der heimischen Uni-Landschaft. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD Printausgabe, 26. Juli 2007)

  • Die Johannes-Kepler-Universität Linz.
    foto: standard/jku

    Die Johannes-Kepler-Universität Linz.

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