Stress kann Wachstum von Eierstocktumoren beschleunigen

29. Juli 2006, 10:00
posten

Versuche an Mäusen zeigten: Stresshormone docken an Krebszellen an - Beta-Blocker können Stresseffekt neutralisieren

Houston/Münster - Ein Forscherteam um Anil Sood vom M.D. Anderson Cancer Center der Universität Texas hat nachgewiesen, dass Stress das Wachstum und die Verbreitung von Eierstocktumoren beschleunigt. Mit einem entsprechenden Versuch an Mäusen, die mit Eierstockkrebs infiziert und stressigen Situationen ausgesetzt wurden, konnten die Wissenschaftler beweisen, dass diese Tiere 3,6-mal so viele Tumore entwickelten wie nicht gestresste Mäuse.

Darüber hinaus breiteten sich die Tumore bei der Hälfte der gestressten Mäuse auf die Leber oder Milz aus. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.

Stresshormone docken an Krebszellen an

Die Forscher entdeckten, dass Stresshormone direkt an die Krebszellen andocken und so das Wachstum neuer Blutgefäße anregen. Diese versorgen den Tumor mit Nährstoffen, wodurch er sich schneller ausbreiten kann. "Diese Studie bietet einen neuen Einblick, wie chronischer Stress und Stressfaktoren das Wachstum von Tumoren anregt", erklärt Sood. Diese Konzeption sei komplett neu. "Durch unsere Forschungsarbeit erschließt sich ein völlig neues Untersuchungsgebiet."

In weiteren Versuchen verabreichten die Forscher den gestressten Mäusen ein Medikament aus der Gruppe der Beta-Blocker namens Propranolol, das normalerweise zur Senkung des Pulsschlages und des Blutdrucks eingesetzt wird. Trotz Stress wuchsen die Tumoren der Mäuse nicht schneller als in der Kontrollgruppe. "Der Beta-Blocker neutralisierte den Stresseffekt vollkomen", so Sood. Eine Behandlung mit solchen Medikamenten könnte somit eine sinnvolle Begleittherapie für Krebspatienten sein, meint der Forscher.

Zweifel

Klaus Rensing, Oberarzt in der Universitätsfrauenklinik Münster, zeigt sich den Studienergebnissen gegenüber ziemlich zurückhaltend. "Ich halte einen Zusammenhang zwischen Eierstocktumoren und Stress für relativ unwahrscheinlich", erklärt Rensing. Dieser Zusammenhang sei ihm nicht bekannt und er habe keine derartigen Erfahrungen gemacht, so Rensing abschließend. (pte/Red)

Share if you care.