Hisbollah-TV: Krieg im Äther

27. Juli 2006, 13:15
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Der Sender al-Manar ist Zielscheibe Israels, berichtet aber weiter

Beirut - Die Beiruter Tageszeitung L’Orient nennt al-Manar, den Fernsehsender der Hisbollah, eine Legende. Das Redaktionsgebäude im Süden Beiruts wurde schon in den ersten Tagen des Krieges dem Erdboden gleichgemacht, aber al-Manar (arabisch für Leuchtturm) ist nicht verstummt. Seither vergeht fast kein Tag, ohne dass israelische Kampfflugzeuge nicht irgendwo im Land Antennen von al-Manar zerstören. Techniker sind unter Todesgefahr dabei, die Schäden immer wieder zu reparieren.

"Wir haben immer damit gerechnet, dass Israel eines Tages unseren Sender vernichten will. Deshalb haben wir Vorkehrungen getroffen, um in einem solchen Fall weiterarbeiten zu können", sagt Ibrahim Moussawi, der Direktor der politischen Programme.

Als erstes berichtet al-Manar von Verlusten der israelische Armee, dagegen ist der Sender mit den Angaben über die Opfer der Hisbollah zurückhaltender. Daneben gibt es Talk-Shows, viele nationalistische Lieder und martialische Kurzfilme, die die Hisbollah verherrlichen. "Aus Sicherheitsgründen weiß nur ein kleiner Kreis von Insidern, wo sich die Produktionsräume befinden", sagt Moussawi.

Der privat finanzierte Kanal wurde 1991 gegründet. Bekannt wurde er im Jahr 2000, als er exklusive Bilder über den Abzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon sendete. In mehreren europäischen Ländern ist al-Manar verboten. In der arabischen Welt gehört er zu den fünf größten Sendern und wird täglich von vielen Millionen Zuschauern empfangen.

Keine Direktkontakte

Seine politische Ausrichtung folgt den Grundsätzen der Hisbollah, die Berichterstattung wurde in den letzten Jahren aber moderater. Wegen des Kriegszustandes darf Manar keine direkten Kontakte mit Israel unterhalten, so werden Beiträge aus dem israelischen Fernsehen eingespielt. Am Wochenende wurden auch Antennen von den Sendern Télé Liban, dem christlichen LBC und Hariris Future-TV getroffen, wobei ein Mitarbeiter von LBC starb. Der Libanon ist der arabische Staat, in dem die Medien traditionell die größte Freiheit genießen. (Astrid Frefel aus Beirut/DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2006)

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