Deutsche Wissenschaftler für Liberalisierung der Stammzellforschung

28. Juli 2006, 17:11
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Nach EU-Kompromiss - Kritik von der evangelischen Kirche

Frankfurt/Main - Nach dem EU-Kompromiss zur Stammzellforschung hat die Max-Planck-Gesellschaft liberalere Gesetze auch für Deutschland angemahnt. "Ich freue mich für Europa, dass die Forschung mit embryonalen Stammzellen auch nach dem deutschen Stichtag von Brüssel finanziert wird", sagte der Präsident der Gesellschaft, Peter Gruss, der "Frankfurter Rundschau". Leider gelte dies aber nicht für die deutschen Wissenschaftler, die nur Stammzellen verwenden dürfen, die vor dem 1. Jänner 2002 erzeugt worden sind.

Die EU-Forschungsminister hatten am Montag in Brüssel beschlossen, die embryonale Stammzellenforschung unter strengen Auflagen weiter finanziell zu unterstützen. Die eigentliche Gewinnung der Stammzellen aus menschlichen Embryonen soll allerdings nicht gefördert werden. Dabei werden Embryonen vernichtet, was unter anderen die deutsche Forschungsministerin Annette Schavan für ethisch nicht vertretbar erklärt hatte. Deutsche Wissenschaftler dürfen auch nach dem Kompromiss nur Forschungsmittel für Projekte beantragen, die auf Stammzelllinien vor 2002 zurückgreifen.

Strafandrohung

"Diese Zellen sind mit tierischen Zellen verunreinigt und können nicht für medizinische Therapie am Menschen verwendet werden", sagte Gruss. Der Wissenschaftler forderte Parlament und Regierung auf, den EU-Kompromiss auch für Deutschland zu übernehmen. Vor allem müsse so rasch wie möglich die Strafandrohung gegen deutsche Wissenschaftler vom Tisch, die indirekt zum Fortschritt in der Stammzellforschung in anderen Ländern beitrügen. Für eine Lockerung des deutschen Stammzellengesetzes hat sich auch der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker, ausgesprochen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bedauerte die Brüsseler Entscheidung. Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber begrüßte zwar, dass die EU-Minister nicht die Zerstörung von menschlichen Embryonen zur Gewinnung neuer Stammzelllinien fördern wollen. Zugleich warnte der Bischof aber vor einer Aushöhlung dieser Regelung: "Bei der nun geltenden Beschlusslage kann nicht ausgeschlossen werden, dass von der Forschungsförderung der EU finanzielle Anreize für die Zerstörung von menschlichen Embryonen ausgehen."

So könnten in Ländern mit entsprechender Gesetzeslage Embryonen zur Gewinnung von neuen Stammzelllinien getötet und für die Forschung dazu EU-Fördermittel beantragt werden. (APA/AP)

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