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Neugierig geworden, blinzelt der Chronist unter seinem weißen Strohhut hervor in die Richtung, aus der die Stimme gekommen ist. Eine Familienszene. Die Mutter liegt, das Gesicht nach unten gekehrt, schlafend auf einer Badedecke. Jacqueline, vielleicht zwei, zweieinhalb Jahre alt, sitzt, von der Hitze niedergedrückt, neben ihr und rührt sich nicht. Der Mann, offenkundig Jacquelines Vater – er hat eine schmucke Tätowierung (Herz mit Schwert) auf der linken Schulter -, lässt sich durch Jacquelines Schweigen nicht entmutigen und fährt mit einem konkreten Nahrungsangebot auf: "Willst vielleicht ein Wursti?" Jacqueline antwortet nicht, was darauf schließen lässt: Wursti will sie keines, "Oder ein Butterbroti?" Jacqueline schüttelt den Kopf. Also das Butterbroti auch nicht. Der Vater resigniert nur kurz. "Na gut. Heute Abend gibt's dann eh ein Schnitzi".
Der Chronist schließt die Augen, stülpt sich den Strohhut übers Gesicht und denkt in der brütenden Julihitze scharf, aber erfolglos darüber nach, warum Kinder in Österreich kein Brot, keine Wurst und kein Schnitzel essen, sondern Butterbroti, Wursti und Schnitzi essi müssen. Würde das Kind zu Tode erschrecken, wenn man ihm ein Brot anböte, eine Wurst, ein Schnitzel gar? Und woher kommt die Überzeugung, dass es kein besseres Mittel zur kindgerechten Aufbereitung eines Sachverhaltes gibt als das, an die meisten Worte, mit denen man ihn mitteilt, den Vokal "i" anzuhängen? Anders gefragt: Was ist das Kindliche am Vokal "I"? Ein altes sprachliches Mysterium harrt seiner Lösung: Vielleicht können ja die p.t. Leser ein wenig nachdenken, ob ihnen dazu etwas einfällt.
Sieben Jahre nachdem die ersten Einträge erschienen sind, stellt Christoph Winder sein Online-Projekt in der gewohnten Form ein
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Die Diversifizierung der Warenwelt schreitet unaufhörlich voran ...
... steht eine dicke fette Phrase
des Typs "Du gehen bis Billa, dann du drehen links, Kollega" haengt damit zusammen, dass diese vermeintliche Herablassung erwachsener Muttersprachler auf das, was sie fuer das Sprachniveau von Kindern oder Nichtmuttersprachlern halten, eben auf sie selbst zurueckschlaegt.
Die umgangssprachlichen Diminutivformen (hier mit der Endung auf -i) sind aber weder auf "Kindchen-" oder "Fremdensprache" beschraenkt, noch auf (gar oesterreichisches) Deutsch. Im Griechischen trinkt man sein kafedaki-Kaffetscherl und isst sein Fruehstuecks-ovgolaki-"Eitscherl", von den Diminutiv-Namen (Toula, Roula, Voula, Soula; Takis, Sakis etc.) ganz zu schweigen. Das Portugiesische bringt es sogar fertig, Adjektive und selbst Verben mit Diminutivaffixen zu versehen
Da springt mir das Messer im Sack auf.
Ich freu mich manchmal diebisch, wenn meine Hündin auf jemandes Aufforderung, das Balli zu bringen, einfach völlig unverfroren reagiert - nämlich gar nicht. Kennt sie nicht. Sie kann sehr wohl ihr Spielzeug dem Namen nach unterscheiden, Ball von Schnur von Flugball von Ente (natürlich eine Gummiente), und bringt das Gefragte - wenn das richtige Stichwort fällt. Dann steht endlich mal der Ballisager wie ein Trottel da.
Allzuviel Aufmerksamkeit dürfte auch die Stimmanhebung mit dem i - zumindest bei Jacqueline - nicht hervorgerufen haben. Vielleicht dachte sie 'Was will der Depp? Kann der nicht Deutsch?'
Also ich versuche diese "i"-Endungen so gut es geht zu vermeiden, speziell bei kleinen Kindern. Aber mein Hund hat eigentlich immer ein "Pappi" bekommen, aber dem war´s ziemlich wurscht wie ich es genannt hab solange die Schüssel voll war:-) Ach ja und gelobt hab ich ihn dann anschließend für´s "Haufi", tja scheint als hätte ich damals stark an der "i"itis gelitten wenn ich jetzt so darüber nachdenke...:-) Soll aber nix schlimmeres passieren, man darf es einfach nicht übertreiben (z.B. im Job) sonst wird´s tussig
Was die armen Kinder heutzutag nicht heißen müssen!
Vor allem die armen Jacquelines, die ja sehr oft um ihr c betrogen werden und allen Ernstes Jaqueline heißen.
(Zitat aus Tirol: "Tschacklin, ckimm zum Essn(/i?) und bring die Nickoll mit!")
Werter autoblinda, ich finde es ziemlich beleidigend, dass Sie mir irgendwelche großdeutsch-faschistischen Motive unterstellen, wenn ich mich über Leute lustig mache, die ihren Kindern einen ach so schönen französischen Namen geben wollen, aber ihn nicht einmal schreiben können. Das Eine ist so unpassend wie das Andere.
Werte LeserInnen: Tschuldign vielmals diese Abweichung vom WWG-Thema.
von der Wr. Sprachwissenschaft hat uns ja seinerzeit eingetrichtert, dies hänge damit zusammen, daß das "i" - sowohl in der Motherese als auch in zahllosen Kosewortanwendungen - eine Anhebung der Stimmgrundfrequenz begünstige, d.h. das Ganze eine rein prosodische Angelegenheit sei.
Diese These mag jeder nach Belieben gutheißen oder verwerfen.
(NB: Damit hängt zusammen, daß anscheinend Kinder in unserem Kulturkreis, wie auch bestimmte Viecher - z.B. Katzen - auf ebenjene mit dem "i" einhergehende Anhebung positiv reagierten.)
Die höhere Stimme ist sicher ein richtiger Punkt, stellt aber erst eine Beschreibung dar. Begründungen für das -i (etwa: Kindchenschema, Analogie zu hungrigen Jungvögeln im Nest..., dass die damit höhere Stimme an die von Haus aus höhere Stimme des Nachwuchses angeglichen wird und damit gleichsam auf einer sprachlichen Ebene zu kommunizieren versucht wird ) sind da aber nicht angeführt.
ist mein lieblingswort im finnischen. heißt "Stadt". Lieb, oder? Und der gute alte Faschingskrapfen heißt "Munki".
Ich fänds echt nett, wenn man eine urbane Germköstlichkeit demzufolge dort als "Munki-Kaupunki" oder umgekehrt als "Kaupunki-Munki" bezeichnen würde. Aber ich glaub, das wär übertrieben ...
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