Ausschreitungen bei Demonstration vor Wahlen

29. Juli 2006, 20:50
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Polizei beendet Proteste in Kinshasa - Auch deutsche Soldaten verwickelt

Kinshasa - Wenige Tage vor den Parlaments- und Präsidentenwahlen in der Demokratischen Republik Kongo ist es am Dienstag zu Zusammenstößen zwischen demonstrierenden Anhängern der Opposition und der Polizei in der Hauptstadt Kinshasa gekommen. Die Demonstranten der von Etienne Tshisekedi geführten größten Oppositionspartei UDPS warfen mit Steinen und Molotow-Cocktails. Einige von ihnen zündeten Autos an und versuchten Barrikaden zu errichten.

Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Nach mehr als zwei Stunden hatten die Sicherheitskräfte mit Unterstützung der Präsidentengarde die Lage wieder unter Kontrolle. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht. Die Protestaktion richtete sich gegen die Regierung von Präsident Joseph Kabila, dem die Opposition beabsichtigte Wahlfälschung vorwirft.

Plakate angezündet

Die nach unterschiedlichen Angaben 500 bzw. rund 4.000 Demonstranten in der Hauptstadt Kinshasa setzten Wahlkampfplakate Kabilas und anderer Parteien in Brand. Sie warfen dem Präsidenten vor, für die Armut im Land verantwortlich zu sein. Auch ausländische Journalisten wurden angegriffen.

Die Abstimmungen am Sonntag sind die ersten freien Wahlen im Kongo seit mehr als 40 Jahren. Sie sollen das zentralafrikanische Land nach Jahrzehnten der Diktatur und des Krieges auf den Weg zur Demokratie führen und werden von 2.000 EU-Soldaten abgesichert. Die UDPS boykottiert die Wahlen.

Deutsche Bundeswehr-Soldaten betroffen

Auch Soldaten der deutschen Bundeswehr wurden in Kinshasa in die Krawalle verwickelt. Ein VW-Bus der Bundeswehr sei bei einer Fahrt durch die Stadt in die Kundgebung geraten und angegriffen worden, sagte Oberstleutnant Peter Fuss am Dienstagabend in der kongolesischen Hauptstadt. Dabei seien die Front- und die Heckscheibe des Busses zu Bruch gegangen. Die drei deutschen Soldaten in dem Bus hätten ihre Fahrt vom Flughafen N'Djili zum Hauptquartier N'Dolo daraufhin aber fortsetzen können.

Es habe sich nicht um einen gezielten Angriff gegen die Deutschen oder die europäische Kongo-Truppe gehandelt, die übrigen Fahrzeuge am Rande der Kundgebung seien ebenfalls angegriffen worden. Die Angreifer hätten vermutlich einfach ihrem Frust Luft gemacht, so Fuss. Insgesamt sei die Lage ruhig, für die deutschen Soldaten bedeute der Vorfall keine Bedrohung.

Einige der demonstrierenden Oppositionsanhänger drohten Ausländern mit dem Tod, da sie Präsident Joseph Kabila zum Wahlsieg verhelfen wollten. Die gewaltsamen Proteste gaben Befürchtungen neue Nahrung, dass es bei den Wahlen am Sonntag erneut zu Gewaltausbrüchen in dem von Bürgerkriegen gezeichneten Land kommen könnte. (APA/AP)

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